«Sturm aufs Bundeshaus»: Welche Tatsachen Politiker und Medien verschweigen

«Sturm aufs Bundeshaus»: Welche Tatsachen Politiker und Medien verschweigen

Der Berner Polizeidirektor brüstete sich, einen möglichen Bundeshaussturm vereitelt zu haben. Die Politiker glaubten es ihm leichtfertig. Das Kalkül dahinter: Sie wollen die friedliche Bürgerrechtsbewegung diskreditieren, die für Grundrechte und Freiheit einsteht.

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von Philipp Gut am 19.9.2021, 12:44 Uhr
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Wie hebt man sich selbst auf den Heldensockel? Reto Nause, Stadtberner Polizeidirekor der Mitte-Partei, macht es vor: «Polizei verhindert möglichen Sturm aufs Bundeshaus. Heikler Einsatz an aggressiver Massnahmen-Skeptiker-Demo. Danke für das Vorgehen!», twitterte er nach der Grossdemonstration auf dem Bundesplatz am vergangenen Donnerstag, 16. September. Die Kundgebung wurde von der Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummischrot brachial aufgelöst.

«Nun sieht man, wozu das führt, wenn Bundesrat Maurer Trump spielt …»,

zwitscherte Grünen-Präsident Balthasar Glättli.
Politiker von links bis rechts nahmen Nauses Steilpass dankend an. «Nun sieht man, wozu das führt, wenn Bundesrat Maurer Trump spielt …», zwitscherte Grünen-Präsident Balthasar Glättli. Ein ziemlich gewagter Vergleich in Anspielung darauf, dass Maurer an einem Anlass ein Shirt der Freiheitstrychler übergezogen hatte. Ins selbe Horn stiess Ständeratspräsident Alex Kuprecht (SVP): «Mit Gewalt und Demonstrationen lösen wir kein einziges Problem» Das Virus interessiere sich nicht für Demos. Er verstehe die Welt nicht mehr, wie man aufgrund der Corona-Massnahmen gewalttätig werden könne.

Das Virus und der Ständeratspräsident

Nein, Herr Kuprecht, das Virus interessiert sich nicht für Demos, so wenig, wie es sich für den Ständeratspräsidenten interessiert. Aber vielleicht sollten die Politiker im Bundeshaus von ihrem hohen Ross heruntersteigen und sich für die berechtigten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger interessieren, die sich gegen die Aushöhlung der Grundrechte wehren. Sie fürchten sich nicht vor dem Virus, sondern vor einer immer übergriffiger werdenden Staatsmacht, die jetzt sogar Restaurant- und Zoobesuche von einem Zertifikat abhängig macht und wirtschaftliche Existenzen vernichtet. Etwas, das noch vor Kurzem völlig undenkbar schien: «Bizarr», nannte Bundesrat Alain Berset diese Vorstellung noch vor wenigen Wochen.

Trychler vermuten, dass Agents Provocateurs am Werk waren

Doch was geschah wirklich an jenem Donnerstagabend? Nauses Behauptung von einem «möglichen Sturm aufs Bundeshaus» bezog sich darauf, dass ein paar wenige Unvernünftige unter den vielen Tausend friedlichen Demonstranten an einem Absperrgitter gerüttelt hatten, das fest im Boden verankert und elastisch ist. Wer diese Rüttler waren, ist bisher nicht klar. Einige sollen auch schon an Demonstrationen der Massnahmenkritiker gesehen worden sein, andere nicht.

«Der erste Wurf eines Gegenstands kam von einem jungen Mann, der dann sofort mit seinem Kumpel weggerannt ist»,

berichtet ein Augenzeuge.
Vereinzelt wurden auch Gegenstände geworfen. «Der erste Wurf eines Gegenstands kam von einem jungen Mann, der dann sofort mit seinem Kumpel weggerannt ist», berichtet ein Augenzeuge. Mehrere der Werfer hätten Elsässisch gesprochen, sagt ein Augenzeug aus Basel («Ich kenne den Dialekt»). Trifft das zu, könnte es darauf hindeuten, dass auch mutmassliche Agents Provocateurs darunter waren, wie das die Freiheitstrychler in einer am Samstag verschickten Medienmitteilung vermuten.

Attacken der Linksextremen

Zu einem gewalttätigen Zwischenfall kam es bereits vor dem Beginn des Demonstrationszugs vor dem Bundeshaus. Dabei ging die Gewalt nicht von den Demonstranten aus, sondern von Gegendemonstranten aus dem linksextremen Reitschul-Milieu: Die Antifa hatte auf dem Bundesplatz eine kleine Blockade errichtet. Die Polizei war nicht präsent. Plötzlich griffen die Linksextremen an: Ein Video zeigt, wie ein schwarz vermummter junger Mann einen 55-jährigen Ordner mit gelber Weste attackiert. Obwohl der Angegriffene zur Ruhe mahnt und die Lage deeskalieren will, wird er mittelschwer verletzt. Der Angreifer schlägt ihm die vorderen Oberzähne aus, zusätzlich verletzt sich der Ordner am Arm. Nach dem Angriff rennen die Vermummten davon. Sie sind flüchtig.
Wo waren da Nauses Männer?
Auch während des Demonstrationsumzugs ist die Polizei kaum vor Ort. Eine kleine Gruppe der Trychler-Security räumt beim Käfigturm selbst eine Blockade der Antifa und verhindert im Lauf des Umzugs seitliches Einfallen und Provokationen der Linksextremen.

Politiker lenken von eigenem Versagen ab

Und was sagt Polizeidirektor Reto Nause zu diesen gewalttägigen Angriffen auf friedlich Demonstrierende? Er spricht verschleiernd von „prügelnden Passanten“. Ein Schuft, wer denkt, dass er damit vom hausgemachten Problem der amtlich tolerierten Gewalt aus dem Areal der Reitschule ablenken will.
Weder die Medien, die Nauses Behauptung vom „Sturm aufs Bundeshaus“ ungefiltert aufnehmen, noch die Politiker, die verbal auf die Massnahmenkritiker einprügeln, erwähnen die von den Linksextremen ausgehende Gewalt auch nur mit einem Wort. Der Eindruck entsteht, dass es ihnen vor allem darum geht, die Bürgerrechtsbewegung zu diskreditieren, die Woche für Woche Tausende friedliche Demonstranten mobilisiert.

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