Achtung, liebe Startup-Gründer: 45 ist das neue 20. Die Jugend ist nicht der Schlüssel zum Erfolg

Achtung, liebe Startup-Gründer: 45 ist das neue 20. Die Jugend ist nicht der Schlüssel zum Erfolg

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von Sebastian Briellmann am 30.4.2021, 09:23 Uhr
Von wegen immer jung: Die erfolgreichsten Startup-Unternehmer haben die 40 hinter sich gelassen. Foto: YouTube
Von wegen immer jung: Die erfolgreichsten Startup-Unternehmer haben die 40 hinter sich gelassen. Foto: YouTube
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Es ist ein Klischee: Wer ein Startup gründet, ist meistens jung. Eine Studie aus den USA widerlegt das. Die erfolgreichsten Jungunternehmer sind über 40. In der Schweiz sieht es ähnlich aus.

Bill Gates, Steve Jobs, Mark Zuckerberg: Für viele junge, innovative Köpfe sind sie Vorbilder: mit Anfang 20 und wenig Geld ein Startup gründen, das später zum milliardenschweren Giganten wird: Das ist der grosse Traum vieler Jungunternehmer.
Es stimmt schon: Ein Startup wird oft mit jungen Menschen assoziiert. Sie sind es, die den Mut haben, bereit sind, die Risiken zu tragen, wie es gerne heisst – auch darum, weil sie oft noch keine Familie haben. Peter Thiel, der brillante Investor und Gründer von PayPal, finanziert vielleicht auch deswegen ein prominentes Stipendienprogramm: Wer jünger als 23 Jahre alt ist und die Schule abbricht, um seine Idee zu verwirklichen, erhält bis zu 100’000 Dollar.

In der Schweiz ist es ähnlich wie in den USA

Eine Studie von vier renommierten Wissenschaftlern der Kellogg School of Management, des MIT und des Census Bureau der USA besagt, dass die Annahme, junge Menschen würden die erfolgreichsten Startup gründen, durchaus verbreitet sei. Nur: Das stimmt so alles gar nicht. In ihrer Arbeit, in der amerikanische Startups untersucht werden, stellen die Forscher fest: Die Gründer des erfolgreichsten Tausendstel aller neuen Unternehmen sind im Mittel – Überraschung, Überraschung – 45 Jahre alt.
In der Schweiz ist es ganz ähnlich, wie diese Grafik zeigt:
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Quelle: Global Entrepreneurship Monitor 2018 / 2019, Report on Switzerland

Die Forscher schreiben, dass Gründer im mittleren Alter und «auch darüber» im Vorteil sind. Generell. Denn wer nicht nur auf die erfolgreichsten Unternehmer blickt, sondern auf alle 2,7 Millionen US-Startup-Unternehmen, die zwischen 2007 und 2014 auf den Markt gekommen sind und mindestens einen Mitarbeiter eingestellt haben, stellt fest: Das Durchschnittsalter der Gründer liegt auch hier immer noch bei respektablen 41,9 Jahren. Der Wert ist in allen Regionen ziemlich konstant.

Erfolgreicher mit 60 als mit 20

Die Forscher zeigen auch auf: Ein Startup eines 50-jährigen Gründers ist fast doppelt so oft im oberen Wachstumsbereich als ein Startup eines 30-jährigen. Und bei Gründern Anfang 20 ist es am unwahrscheinlichsten, dass sie zum besten Promille aller Jungunternehmer gehören. Zudem sind sie beim Exit, also beim Verkauf oder Börsengang, am erfolglosesten. Weiter ist die Chance auf ein erfolgreiches Unternehmen bei einem 65-Jährigen 2,9 mal grösser als bei einem 25-Jährigen.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Älteren «mehr Humankapital, soziales Kapital, und finanzielles Kapital» vereinen. Theorien des Unternehmertums orientieren sich häufig einzig am Humankapital, also am Arbeitsvermögen. Und hier sehen die Theoretiker die Jungen im Vorteil. Sicher nicht ganz zu Unrecht. Daraus entstand der Mythos von jungen Garagen-Genies, die die Welt erobern. Ein Mythos, der nun eindrücklich widerlegt ist. Weil eben viele Faktoren wichtig sind.
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