24 Prozent der SP-Wähler sagten Ja zum «Burka-Verbot»

24 Prozent der SP-Wähler sagten Ja zum «Burka-Verbot»

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von Stefan Bill am 30.4.2021, 13:14 Uhr
Bild: Shutterstock
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Hauptsächlich Männer, Ältere und Rechte haben im März für die Volksinitiative «Verhüllungsverbot» gestimmt. Doch die Vox-Analyse des Forschungsinstituts gfs Bern fördert auch Unerwartetes zu Tage.

Die unter 50-Jährigen hätten die erste erfolgreiche Volksinitiative seit 2014 wohl durchfallen lassen. Das zeigt die Wählerbefragung des Forschungsinstituts gfs Bern zur Initiative über das Verhüllungsverbot, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Am deutlichsten für die Initiative, die mit 51.2 Prozent angenommen wurde, stimmten die über 70-Jährigen. Linear zum Alter sank auch die Zustimmung. Von den jüngsten Stimmberechtigten befürworteten nur noch 37 Prozent die Initiative des «Egerkinger Komitees».
Alter
Ja (in % der materiell Stimmenden)
18-29 Jahre
37
30-39 Jahre
40
40-49 Jahre
48
50-59 Jahre
54
60-69 Jahre
55
70 Jahre und älter
60
Auch die Frauen sind grösstenteils den Empfehlungen des Bundesrates und des Parlaments gefolgt und haben die als «Burka-Verbot» bekannt gewordene Initiative mit 56 Prozent abgelehnt. Dies obwohl die Frauenrechte, nebst dem Schutz der Schweizer Kultur und den Sicherheitsbedenken, zu den drei stärksten Motiven der Befürworter zählte, wobei sich die Sicherheitsbedenken interessanterweise hauptsächlich auf Hooligans und Demonstrationen bezogen und nicht auf islamistischen Terror.
Das Paradoxe in Bezug auf die Frauenrechte: Die Gegner der Initiative beanspruchten das Argument des Schutzes von unterdrückten Frauen ebenfalls für sich. Für jeden fünften Gegner war dies ein Grund, die Initiative abzulehnen. Doch am häufigsten wurde die verfehlte Wirkung des Verhüllungsverbots als Begründung für ein Nein genannt. Zudem wurden die Relevanz sowie die Verhältnismässigkeit des Verbotes angezweifelt.

Studierte und Teilzeitarbeitende lehnten die Initiative ab

Doch nicht nur Alter und Geschlecht hatten einen Einfluss auf das Votum, auch die Ausbildung und der Beschäftigungsgrad spielten eine wichtige Rolle. Abgesehen von den Stimmberechtigten, die eine Universität, ETH oder Fachhochschule absolviert haben, haben sämtliche Bildungsgruppen die Initiative angenommen. Auch jene, die mindestens zu 90 Prozent berufstätig sind, stimmten für die Initiative. Alle übrigen Berufstätigen lehnen die Initiative hingegen ab.
Bildungsgrad
Ja (in % der materiell Stimmenden)
ohne nachobligatorische Bildung
62
berufliche Grundbildung / Berufslehre
62
Maturität / Höhere Berufsbildung
53
Fachhochschule / Uni / ETH / Doktorat
31

Beschäftigungsgrad


Vollzeit (90-100%)
59
Teilzeit zwischen 70-79%
36
Teilzeit zwischen 50-69%
38
Teilzeit weniger als 50%
43
Für 91 Prozent der Wähler war es leicht zu entscheiden, wofür sie ihre Stimme abgeben werden. Für beinahe drei Viertel war es sogar bereits von Anfang an klar. Das überrascht insofern, als dass die Mehrheit der Sympathisanten der FDP und der Mitte gegen deren Parteiparolen gestimmt hat und im zustimmenden Lager zu finden ist. Doch selbst bei der SP haben beinahe ein Viertel der Wähler die Initiative angenommen und auch bei den Grünen legten noch 16 Prozent ein «Ja» ein. Diese Zahlen zeigen, dass die Initiative kein reines SVP-Anliegen war. Sie führt die Liste allerdings deutlich an. 88 Prozent der SVP-Wähler folgten dem Aufruf ihrer Partei, die Initiative anzunehmen. Bei jenen, die sich keiner Partei zuordnen, wurde es knapp. 49 Prozent waren für das neue Gesetz. Sympathisierende der GLP waren mehrheitlich gegen ein Verhüllungsverbot. Trotzdem war es auch hier noch ein beachtlicher Drittel, der für das Verbot stimmte.
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