«SRF investigativ» - eher fakultativ

«SRF investigativ» - eher fakultativ

Mitten in ihrem historischen Programmabbau trommelt SRF eine Detektiv-Truppe zusammen. Was das kostet und für wen die arbeiten? Unklar

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von Beni Frenkel am 19.9.2021, 04:00 Uhr
Nathalie Wappler, Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Nathalie Wappler, Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Die SRG-Konzession gibt - ähnlich einer Lego-Anleitung – ziemlich genau vor, wie man einen Staatssender aufbauen muss: Es braucht Information (Art. 6), Kultur (Art. 7). Bildung (Art. 8), Unterhaltung (Art. 9) und Sport (Art. 10). Das sind die «einzelnen Bereiche des publizistischen Angebots» der SRG.
SRF-Direktorin Nathalie Wappler hat in den letzten Jahren und Monaten genau diese Säulen gestutzt: «Eco», «sportaktuell» oder «Viva Volksmusik». Die Streichlisten, die immer länger werden, führen dazu, dass das Personal kopflos und wenige Jahre vor der Pensionierung über Bord springen. Kollege Briellmann wandte sich diesem Thema bereits zu.
Federlassen also bei allen Sparten. Dafür soll nun eine Dienstabteilung aufgebaut werden, die im Konzessionsvertrag gar nicht erwähnt wird, nämlich die investigative Recherche. SRF baut zurzeit ein «Investigativdesk» auf, von dem andere Medien nur träumen können. «Das Kernteam», so ein Sprecher, «besteht aus zehn Mitarbeitenden.» Und weil das nicht ausreicht, sollen als Verstärkung «ständig zwei interne Fachredaktoren bei «SRF investigativ» arbeiten.»
Für welche Gefässe die zwölf Journalisten recherchieren, ist unklar. Der Staatssender antwortet knapp: «für diverse Newssendungen bei Radio und TV und die Newsapp». Auch über das Budget der Rechercheure dringt nichts nach draussen: «Zu Budgets macht SRF keine Angaben». Nicht einmal über etwaige Vorbilder schweigt man sich aus ««SRF Investigativ» wurde für die spezifischen Bedürfnisse von SRF konzipiert.»
Es habe ein «regulärer und transparenter Bewerbungsprozess» stattgefunden. Interessant ist aber, dass die meisten der Superjournalisten aus dem eigenen Hause stammen. Auch die beiden Leiterinnen sind SRF-Journalistinnen: Nina Blaser und Fiona Endres.
Beide gelten in der Schweizer Medienszene als Stars. Die beiden Frauen wurden 2020 als «Journalistinnen des Jahres» gekürt. Ihr Gesellenstück war die Aufdeckung der «Cryptoleaks». Den Tipp zur Story gab ihnen ein Journalist. Die Zeit, die ihnen von SRF für die Recherche freigeräumt wurde: ein halbes Jahr. Auch davon können andere Medien nur träumen.

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