Sucharit Bhakdi: «Menschen erheben sich über Gott und spritzen sich ein fremdes Gen, das nicht in unseren Körper gehört»

Sucharit Bhakdi: «Menschen erheben sich über Gott und spritzen sich ein fremdes Gen, das nicht in unseren Körper gehört»

Der Mediziner im Gespräch über seine ersten Begegnungen mit Krankheit und Tod, eine Welt im Gleichschritt, seine These vom grossen Plan – und warum er glaubt, dass die christliche Zivilisation vor dem Ende steht. Teil 2 der Serie.

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von Stefan Millius am 26.8.2021, 04:00 Uhr
Sucharit Bhakdi. (Bild: Madleina Manetsch)
Sucharit Bhakdi. (Bild: Madleina Manetsch)
Teil 1 der Serie finden Sie hier.
Nach ihrer Zeit in der Schweiz kehrte Familie Bhakdi für zwei Jahre zurück in die Heimat Thailand, dann zog sie für sieben Jahre nach Ägypten, wo Sucharit Bhakdi einen grossen Teil seiner Kindheit verbrachte. Dort habe er «viel Armut und Leid« gesehen. Wenn seine Mutter mit einer Freundin, ebenfalls Ärztin, Krankenhäuser auf dem Land versorgte, war der Sohn stets dabei, erlebte die Auswirkungen von Unternährung – und von Krankeiten.

«Da waren diese Kinder mit Fliegen auf den Pupillen. Das hat mich erschüttert. Ich fragte meine Mutter, was los sei mit ihnen.»

Die Kinder waren erblindet aufgrund einer Infektion, in Entwicklungsländern bis heute ein Thema. Die Mutter erklärte ihrem Sohn, man wisse wenig darüber – es ist mehr als ein halbes Jahrhundert her –, aber es gebe eine Salbe, mit der sich die Augen heilen liessen. Auch die Bhakdi-Kinder wurden regelmässig präventiv behandelt.

«You won't die»

«Meine Mutter sagte immer: Weisst du, die meisten Krankheiten auf der Erde kann man behandeln, es gibt so viele Medikamente, man muss nur gut genug und sein und rechtzeitig erkennen, was es ist. Du musst dir die Menschen einfach genau anschauen. Das war in den 50er-Jahren, die Medizin war noch nicht so weit wie heute. Aber daran hat sich nichts geändert.»
Waren die Kinder der Familie selbst krank und jammerten, habe sich die Mutter das angesehen und dann jeweils nur drei Worte gesagt. Sucharit Bhakdi erinnert sich lächelnd: «You won’t die», du wirst nicht sterben. Als Bhakdis Schwester schwer erkrankte, habe die Mutter diese Worte nicht gesagt – «das hat mir Angst gemacht». Sie habe die ganze Nacht am Bett des Mädchens gewacht und es schliesslich ins Spital gebracht mit der Ankündigung, in zwei Tagen werde sie wieder da sein. «Und so war es dann auch, und mich hat es wahnsinnig beeindruckt, wie man mit dem richtigen Wissen eine solche Prognose stellen kann.»
Es seien diese und viele andere Erlebnisse gewesen, die den Beschluss reifen liessen, selbst Arzt zu werden.

Ein Vorwurf, der nahe ging

Mittagszeit. Das Flughafenrestaurant füllt sich. Es wird zum Kunststück, Sucharit Bhakdi akustisch noch zu verstehen. Er spricht leise, sehr leise, während sich an den Nebentischen Menschen laut austauschen. Ich erinnere mich an den 2012 verstorbenen ehemaligen Bundesrat Otto Stich, der bei Interviews zu sagen pflegte, er spreche bewusst leise, weil man dann genau zuhören müsse.
Sucharit Bhakdi wartet, bis der Geräuschpegel etwas sinkt, und nach diesen wenigen Sekunden wechselt er unvermittelt die Perspektive. Wir sind zurück in der Gegenwart.
Er sei letztes Jahr schon in der Schweiz gewesen, jetzt wieder, und das sei kein Zufall. Er wolle nicht pathetisch werden, aber: «Ich habe die Schweizer immer geachtet, weil die meisten von ihnen an etwas Höheres glauben, nennen wir es Gott, der alles bestimmt, der einen Plan hat. Als Buddhist weiss ich nicht einmal, ob es einen Gott gibt, aber auch wir glauben, dass das Ganze hier einen Sinn hat. Unsere Familie hatte immer viele Freunde aus allen Religionen, Christen, Muslime, Juden.»
Bhakdi lenkt das Gespräch beiläufig auf einen wunden Punkt. Vor einiger Zeit wurde ihm vorgeworfen, antisemitische Äusserungen gemacht zu haben.

«Sagenhafterweise nennt man mich einen Antisemiten. Das ist absurd. Vor einigen Tagen habe ich eine Nachricht von Überlebenden des Holocaust und ihren Familien erhalten, in der diese festhalten, dass dieser Vorwurf ein Irrsinn ist, eine Lüge.»

Er geht nicht auf Details ein, spricht nicht über den Vorwurf. Aber seit seinem Studium in Deutschland habe er viele jüdische Freunde, mehr noch, er habe gelernt, wie besonders dieses Volk sei. «Obwohl es zahlenmässig so klein ist, hat es relativ gesehen viel mehr Beiträge an die Menschheit geleistet als jedes andere, in der Wissenschaft, in der Kunst. Die Juden waren schon immer unvergleichlich. Es war für mich immer ein Privileg, sie kennenzulernen.»
Wie kommt Bhakdi auf Gott, auf die Religionen?
Weil vor einem Jahr das eingetreten sei, antwortet er, was für ihn dem Ende der Zivilisation gleichkomme und damit auch dem der christlichen Welt.
«Leute, die an Gott glauben, lassen es zu, dass sich Menschen über Gott erheben und sich ein fremdes Gen, das nicht in unseren Körper gehört, spritzen. Oder schlimmer noch: In ihre Kinder. Das ist ein Frevel an Gott, der grösste Frevel, und das sage ich als Buddhist. Gott hat dieses Gen nicht vorgesehen, das kann nicht gut gehen, und es wird nicht gut gehen.»

Der Plan hinter Corona: Futter für Kritiker

Ein Wissenschaftler, der von Gottes Plan spricht: Das bietet Angriffsfläche. Bhakdis Kritiker nehmen solche Vorlagen gerne auf. Solange der Mediziner die Massnahmen als sinnlos oder schädlich kritisierte, bot er weniger Angriffsfläche. Die grösste liefert er, wenn er von den Ursprüngen der heutigen Situation spricht.
Bhakdi ist überzeugt, dass das, was rund um das Coronavirus geschieht, gelenkt ist, dass es einen grossem Plan dahinter gibt. Dass er Kritikern damit Futter liefert weil es an Beweisen dafür fehlt, stört ihn nicht. «Spätestens, seit die Impfung weltweit so durchgepeitscht wird mit totaler Unbarmherzigkeit, müsste das doch jedem klar geworden sein. Das geschieht aus eigenen Interessen der Verantwortlichen, das tun sie nicht für die Menschheit.»
Die These eines grossen Plans, Namen wie Bill Gates oder Klaus Schwab, die beteiligt sein sollen: Das alles ist mir bestens bekannt. Auch Journalisten werden oft damit konfrontiert. Aber es ist schwer im Wust einzelner Elemente wie Youtube-Clips und Dokumenten zu Personenverflechtungen die Legende von den Fakten zu unterscheiden.

«Niemand balanciert Unrecht mehr aus»

Vor allem führt jede dieser Thesen über einen Plan hinter allem zur Frage: Warum sollten sie das tun?
«Gier», saht Bhakdi. Nicht nur nach Geld, auch nach Ruhm und Macht, das sei schon immer der Antrieb jeder Führung gewesen. «Sehen Sie, wenn alle Politiker der Welt dasselbe sagen, unisono, wenn die Medien das alles einfach weitergeben, dann kann es gar nicht anders sein, als dass sie alle Teil derselben Bewegung sind.» Die USA und Grossbritannien in den Fussstapfen von Deutschland: Für den Arzt ein Ding der Unmöglichkeit. Früher habe es immer einen Ausgleich gegeben. Habe sich ein Land unrecht verhalten, hätten andere reagiert und das Unrecht ausbalanciert. «Jetzt sind alle im Gleichschritt, das müsste die Welt doch bemerken.»
Sucharit Bhakdi lehnt sich zurück, blickt aufs Rollfeld direkt neben uns. Und sagt: «Nur die Schweiz nicht, übrigens. Die Schweiz steht ausserhalb.»
Die Schweiz, die ebenfalls von Maskenpflicht zu Lockdown taumelt und in der eine zumindest indirekte Impfpflicht weitgehend unwidersprochen bleibt? Was macht unser Land so besonders?
«Ihr seid eine Insel. Euch wird man in Ruhe lassen. Und ich sage Ihnen gerne, weshalb.»
Im dritten und letzten Teil am Freitag: Warum die Schweiz für Bhakdi nicht Teil des «Plans» ist

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