Weinschmecker
Weinland Wallis
publiziert: Sonntag, 1. Sep 2013 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 15. Jul 2015 / 11:06 Uhr
 
 

Seit der Kanton Wallis 1815 der Eidgenossenschaft beigetreten wurde, hat er die Schweiz mit vielen Innovationen und Galionsfiguren beglückt.

Allen voran natürlich mit dem Blattersepp, Gottes sieben Plagen in Personalunion, oder noch Christian Constantin, der im Fussball neue Sitten eingeführt hat mit der Erfindung des rotierenden Trainersessels.
Schon die Kelten betrieben Weinbau in Visperterminen, auf etwa 1100 Metern. Visperterminen sind folglich keine Businessmeetings, bei denen nur geflüstert werden darf. In der Schweiz wird Wein aus rein sportlichen Gründen häufig auf schwierigem Terrain angebaut, meist ohne Geländer,
z. T. in Hochlagen, noch dazu ohne Sauerstoffgerät. Die Hänge sind teils derart steil, dass die Traubenpflücker per Helikopter abgeworfen werden müssen, manchmal müssen Extrem-Ski­­f­ahrer ran. Auch die sog. «Fliegenden Weinmacher» tragen ihren Namen zu Recht, sie gehen ihrem Handwerk im Drachensegler nach. Die Stimmung in den Kellereien stimmt indes gestresste Städter friedlich, wenn in den alten Lärchenfässern der Gletscherwein plätschert.
1990 führte der Kanton Wallis die Qualitätsweinhierarchie ein. Viele alte Rebsorten kehrten zurück, etwa 200 von ihnen sind polizeilich bekannt, darunter Sorten, deren Namen oft mutig klingen: Das Herz des Sprachliebhabers erfreuen aber auch Bernarda, Gwäss, Eyholzer, Rotgurra, Lafnetschner und Planscher. Schön, dass sie bei Letzterem noch ein L eingeflochten haben. Am weitesten verbreitet sind Dôle und Gamay und der Fendant mit seinen zahlreichen Pendants. Erwähnenswert allerdings noch zwei andere alkoholische Produkte: Im Westen des Kantons wird ein ordentlicher Martigny gemixt und im Osten ist der Safranschnaps berühmt. Dazu schmeckt vorzüglich eine Cholera-Pastete oder ein Stück Raclette, der unter Tage aus den Käsestollen von Grimentz herausgebrochen wurde.
Leider sind aber auch Ernteeinbussen durch trunksüchtige Wolfsrudel zu verzeichnen, und auch der Wald breitet sich wieder aus und gefährdet nicht nur Zweitwohnungen, sondern auch Weinberge. Im Goms wurde im letzten Jahr eine Fläche von über 300 Fussballfeldern überwaldet, was nur die Herren Constantin und Blatter erfreut.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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