Weinschmecker
Weinland Schottland
publiziert: Montag, 1. Sep 2014 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 15. Jul 2015 / 09:45 Uhr
 
 

Am 18. September dürfen die Schotten darüber abstimmen, ob sie sich von den Grossbriten abschotten wollen oder nicht. Wie aber überleben?

Natürlich bringen Touristen Geld ins Land, doch schon Loch Ness bedarf einer dringenden Neuausrichtung, nachdem sich Nessie seit Jahren nicht mehr hat blicken lassen. Wenn Schottland wirtschaftlich über die Runden kommen will, muss man sich Gedanken machen über lukrative Exportgüter. Da kommt den Schotten die globale Erwärmung entgegen, die ihnen sowieso lieber ist als eine lokale Erkältung.
In Zukunft wollen sie nicht nur mit Whisky punkten, sondern auch mit Wein. Weinbau hat hier durchaus Tradition, bereits in der mittelalterlichen Warmzeit zwischen 950 und 1250 haben die Wikinger in der Gegend von Inverdrunken Wein angebaut. Die nach der Schlacht von Kirkdumbledee 1314 einsetzende Eiszeit zwischen Engländern und Schotten vernichtete leider sämtliche Weinstöcke. Im 21. Jahrhundert aber verschiebt sich nun das «Weinbaufenster» um zehn Grad nach Norden. 
Erste Ernten sind viel versprechend, die schottischen Winzer benötigen nicht mal eine Lesehilfe. Der 2012er Braveheart Chardonnay mit garantiert drei Blaumachern schmeckt erfrischend und doch belebend. Im Norden trifft man bevorzugt auf Wanderreben, die dem schottischen Schatten entfliehen und der Sonne folgen wollen. In der Region Falkirkdeedledum stehen Weissweine im Vordergrund, die bevorzugt aus der Glenfertich-Traube gewonnen werden.
Erschreckend auch der Hang zur Gewalt im Weinkeller: Der Wein wird alle drei Monate abgestochen, angeblich, damit er schonend geklärt werden kann. Oft sind die Schotten dicht, generell besteht die Gefahr, dass die Schotten ganze Ernten höchstselbst wegzwitschern wie überall auf den Kritischen Inseln: In Wales übertrifft die Promillezahl pro Kopf häufig den IQ. In Nordirland werden 40 % des Haushaltes über die Alkoholsteuer finanziert, und die Trinkerheilanstalten finanzieren sich selbst über die Pfandflaschenrückgabe. Hier wäre also grundsätzlich Disziplin einzufordern. Angesichts des hehren Ziels der Unabhängigkeit sollte das kein Problem sein. Wenn sie denn nüchtern genug sind, die Schotten.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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