Esst Salatfeinde
Wahre Pflanzenliebhaber essen Schnecken
publiziert: Montag, 10. Jul 2017 / 08:02 Uhr / aktualisiert: Montag, 10. Jul 2017 / 08:19 Uhr
 
 

Gemüsebauer Bernhard Brüllhardt lehnt jede Form von Vegetarismus strikt ab. Weil er täglich vor Augen geführt bekommt, wie lange es dauert, einen schönen Salat grosszuziehen, isst er ganz bewusst dessen natürliche Feinde: Schnecken, Schildkröten, Hasen, Schafe und Ziegen.

 Moderator: Roswita Rinderknecht, Sie sind Tierpflegerin im Zoo. Sie betreuen Raubtiere wie Tiger, Löwen, Panther und Leoparden. Sie selbst sind allerdings Vegetarierin. Wieso?

 Roswita Rinderknecht: Wenn man sieht, wie diese Raubtiere die ihnen zugeworfenen Kadaver zerfleischen, dann spürt man im Innern, dass man selbst kein Raubtier ist. Der Mensch ist nicht so grausam. Er ist fürsorglich, zärtlich und sozial. Das macht den Menschen erst zum Menschen.

 Moderator:  Aber der Mensch ist doch ein Jäger und Sammler.

 Roswita Rinderknecht: Der Homo sapiens besitzt weder Krallen noch Reisszähne. Dafür verfügt er über Intelligenz, Sozialgefühl und Handfertigkeit. Er ist offensichtlich kein Jäger und Sammler, sondern ein Bauer und Erbauer. Der Mensch tötet nicht, er kultiviert.

 Moderator:  Wir haben auch einen Gemüsebauern hier am Tisch. Herr Bernhard Brüllhardt, Sie selbst essen Fleisch?

 Bernhard Brüllhardt: Jawohl! Als Gemüsebauer lehne ich jede Form von Vegetarismus strikte ab. Wissen Sie, wie lange es dauert, einen schönen Salat grosszuziehen? Der Salat hat so viele natürliche Feinde, dass er das Stadium des Setzlings niemals überstehen könnte, wenn nicht die schützende Hand des Gemüsebauern ihn vor den Gefahren der Wildnis behüten würde. Deshalb esse ich Schnecken, Schildkröten, Meerschweinchen, Hasen, Schafe, Ziegen, Rehe, Hirsche und auch Kühe und Pferde. Denn das sind die natürlichen Feinde des Salates.

 Roswita Rinderknecht: Aber sie kultivieren doch Salate, um sie auf dem Markt zu verkaufen...

 Bernhard Brüllhardt:  Ja, aber doch nicht, damit der Käufer den schönen Salat einfach so auffrisst. Gehen Sie mal zu einem Hundezüchter und sagen ihm, er soll ihnen einen Welpen einpacken, denn Sie möchten diesen gerne an ihre Kinder verfüttern.

 Roswita Rinderknecht: Das kann man doch nicht verglei...

 Bernhard Brüllhardt:  Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche. Wie Sie richtig bemerkt haben, kultivieren wir die Salate. Wir mästen sie nicht, wir kultivieren sie. Und etwas Kultiviertes zu essen, ist höchst unkultiviert.

 Roswita Rinderknecht: Aber ich esse doch Salat, weil ich keine Tiere töten will.

 Bernhard Brüllhardt: Sie machen es sich sehr einfach, das muss ich schon sagen. Sie gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Immer auf die Schwächsten. Versuchen Sie doch mal, einen Ihrer Tiger zu fressen. Das wäre mutig. Aber einen Salat zu essen, das ist richtig feige.

 Roswita Rinderknecht: Also ich bitte Sie, Schnecken zu essen, ist ja auch nicht gerade sehr mutig.

 Bernhard Brüllhardt:  Aber Gänse. Essen Sie also Gänse, die fressen nämlich auch Schnecken.

 Moderator:  Das ist doch gut für den Salat, wenn die Gänse Schnecken fressen.

 Bernhard Brüllhardt:  Nein, denn wenn es keine Schnecken mehr gibt, dann essen die Schneckenfresser wieder Salat. Dabei hat doch nicht der Salat den Schneckenfressern die Schnecken weggefressen, sondern die Gans. Also sollen die Schneckenfresser gefälligst den Salat in Ruhe lassen und die Gans fressen. Damit haben sie ja indirekt die Schnecken auch wieder gefressen.

 Roswita Rinderknecht:  Also, was soll ich denn nun essen, wenn ich kein Fleisch essen will und ihren Salat aber auch nicht essen darf?

 Bernhard Brüllhardt:  Essen Sie Insekten, am besten Schmetterlinge. Die Schmetterlingsraupen sind eine Plage für den Salat. Die Schmetterlinge flattern so bunt und unschuldig um die Blumen herum, dabei fristeten sie allesamt vor ihrer Metamorphose ein hinterhältiges Leben als meuchelnde Salatmörder.

 Roswita Rinderknecht: Sie sprechen von den Schmetterlingen, als handle es sich um gefährliche Raubtiere.

 Bernhard Brüllhardt:  Lassen Sie mal Ihre Tiger in meinen Garten. Ich garantiere Ihnen, die krümmen meinen Salaten kein Blatt. So ein Tiger ist nämlich ein anständiger Mensch. Der vergreift sich nicht an schwächeren Pflanzen. Aber Ihr unkultivierten Vegetarier sperrt ihn ein, den armen Tiger. Dabei tut er doch keinem Gemüse was. So eine nette Miezekatze.

 Moderator:  Äh, die Sendung ist hier leider zu Ende. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

(Nebelspalter)

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