Tschüss Landfrauenküche
Vom Nachfolgeformat ist die erste Staffel bereits abgedreht
publiziert: Freitag, 21. Nov 2014 / 11:08 Uhr / aktualisiert: Freitag, 21. Nov 2014 / 21:41 Uhr
 
 

Das Schweizer Fernsehen hat eindeutig zu viel «heile Geranien-Schweiz» im Programm. Nun zeigt sich, dass die Pläne von Unterhaltungschef Christoph Gebel schon viel weiter sind, als die «Weltwoche» in der aktuellen Ausgabe berichtet hatte. Vom Nachfolgeformat der «Landfrauenküche» ist die erste Staffel bereits im Kasten.

Wovor Politologen und Soziologen schon seit 1291 gewarnt haben, davon ist man jetzt auch beim SRF überzeugt: Zwischen dem isolationistischen, rückwärtsgewandten Stimmverhalten der Schweizer Bürger und den erfolgreichen «Heile-Welt-Sendungen» der SRG besteht ein Zusammenhang. Die Überidealisierung der ländlichen Schweiz widerspiegle überhaupt nicht die moderne Realität von 90 Prozent der Bevölkerung und führe letztlich zu jenem konservativen, abschottungsfreundlichen Stimmverhalten, das am Ende aus der ganzen Schweiz wieder einen mausarmen Bauernstaat zu machen droht.

Die «Weltwoche» hat Pläne des SRF publik gemacht, das eigene Programm radikal zu verändern. Wie Recherchen dieses Magazins zeigen, ist die Nachfolgesendung der «Landfrauenküche» sogar schon produziert. Dabei funktioniert «Aggloschlampenküche» nach dem gleichen Grundmuster wie bisher - nur dass hier Frauen porträtiert werden, die zwischen ihrem trostlosen Zweitjob, dem Zumba-Workout und dem Abholen der Kids aus der Kita noch schnell bei «Pizza Pronto» oder «Kebab 3000» vorbeigehen, um für den Besuch der anderen Staffel-Teilnehmerinnen einen leckeren Znacht hinzuzaubern.

Auch «3+» springt auf

Ob und wann das neue Format nach der massiven Kritik seit der «Weltwoche»-Enthüllung über den Sender geht, ist alles andere als klar. Doch das SRF muss aufpassen, hier nicht wieder vom Privatsender «3+» überholt zu werden. Senderchef Dominik Kaiser hat heute Vormittag angekündigt, den neuen Trend nicht verpassen zu wollen. Nach zehn Staffeln «Bauer, ledig, sucht» soll auch hier ein zweifelhaftes Heidiland-Format durch ein realitätsnahes «Eriträer, arbeitslos, sucht gar nicht» abgelöst werden.

Korrigendum

In einer früheren Version dieser Meldung wurde behauptet, auch die Sendung «Mini Beiz dini Beiz» werde bereits ab kommender Woche als «Min Döner din Döner» weitergeführt. Das SRF dementierte dies heute genauso entschieden wie die Meldung, neben «Giacobbo/Müller» werde ab sofort auf SRF2 zeitgleich die integrationsfördernde Late Night Sendung «Blancho/Illi» ausgestrahlt.

(Marco Ratschiller/Nebelspalter)

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