Weihnachten 2015
So schenken Sie das Richtige
publiziert: Montag, 7. Dez 2015 / 08:03 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Dez 2015 / 10:10 Uhr
 
 

Sie steht wieder vor der Tür. Die Zeit, die als «besinnlich» beschrieben wird, in Wahrheit aber eine Ausgeburt von Stress und Hektik ist, und die schlimmsten Züge des Kapitalismus trägt ...

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Üble Kämpfe zwischen den Regalen um die letzte Zahnweh-Barby, oder den letzten Sauerstoff in den vollgestopften Einkaufszentren. Und natürlich der Stress, auch garantiert das richtige Geschenk für den Partner/Bruder/Schwester /Mutter/Vater/Tochter/Sohn/Geliebte zu finden. Doch wieder einmal hilft Ihnen der «Nebelspalter», sich im Chaos der Bescherung zurechtzufinden. Er hat für Sie die besten Geschenke in diesem Jahr ausfindig gemacht.

Freiheit

Die Parteien haben uns den Mund wässerig gemacht, mit ihren stoisch vorgetragenen Reden über Freiheit, und dass nur sie sie uns geben könnten. Nur verstehen alle etwas anderes unter Freiheit. Für die einen ist Freiheit, sich einzugrenzen und zu Hause einzuschliessen, damit man seine Ruhe hat. Für den anderen ist Freiheit, alle Türen offen lassen und alle reinlassen, so dass kein Zentimeter Platz mehr im Haus ist. Für die Wirtschaftsfreunde ist Freiheit die absolute Freiheit fürs Unternehmertum, was dann wiederum dem Arbeitnehmer seine Freiheiten nehmen würde, da er neuerdings bis 16 Stunden am Tag arbeiten müsste. Nun sind alle geil auf Freiheit, doch keiner hat sie von den Parteien bekommen.

Jetzt können Sie in die Bresche springen und Ihren Liebsten das schenken, was sie sich so sehr gewünscht haben. Schenken Sie Ihrer Freundin Freiheit, lassen Sie sie los, damit sie Erfahrungen mit ihrer Sexualität machen kann, schenken Sie Ihrem Sohn die Freiheit, so lange in den Ausgang zu gehen, wie er will. Sie werden überrascht sein, er wird bereits um acht Uhr wieder zu Hause sein. Am nächsten Morgen zwar, aber was solls. Schenken auch Sie sich Freiheit, Freiheit vor den elterlichen Pflichten und lachen sie, wenn Ihr Sohn sturzbetrunken versucht die Türe aufzuschliessen. Und schenken Sie Ihrer jungen Nachbarin oder besser ihrem Körper die Freiheit, sich von den lästigen Kleidern zu befreien. Freiheit für alle.

Hirn

Hat Ihre Mutter wieder vergessen, wo sie den Schlüssel hingelegt hat? Hat Ihr Freund in einem Gespräch mit studierten Freunden nur Bahnhof verstanden? Oder hat Ihr Kollege sich in der Mittagspause mal wieder total unüberlegt geäussert? Kennen Sie solche Leute, denen Sie am liebsten entgegenrufen möchten: «Ein bisschen mehr Hirn würde dir guttun?» Wenn ja, dann greifen Sie jetzt zum Alljahres­Klassiker: «Hirn». Kaufen Sie gleich auch noch eine Portion für sich selbst. Aber beeilen Sie sich, «Hirn» ist schwer zu finden und immer schnell ausverkauft. Also jetzt besorgen, sonst sind Sie am Schluss der Dumme.

«Du»-Ausgabe

Ein Klassiker unter dem Weihnachtsbaum sind Jahresabos für Zeitungen und Magazine (zum Beispiel das Jahresabo des «Nebelspalter»). Und seit Neuestem kann dieses Geschenk sogar noch übertroffen werden. Schenken Sie eine Ausgabe des Magazins «Du». Nicht einfach eine, also ein Heft, nein, schenken Sie den Inhalt dieser Ausgabe der Person, die es verdient hat. Es ist zwar nicht so billig wie ein asiatisches Damenrad aus dem Aldi, aber was sind schon läppische 60 000 Franken für jemanden, den man wirklich liebt.

Darin enthalten werden Interviews sein, die mit Nahestehenden geführt werden. Die Homestory wird von den Profis für Homestorys, der «SI», geschrieben. Reportagen über die Jugendjahre, der beschenkten Person, ein Recherchebeitrag zum Stammbaum der Katze und ein Erlebnisbericht über deren Vorlieben. Das alles in schönfärberischen Worten. Melden Sie sich noch heute bei der Redaktion. Schenken Sie ein persönliches «Du».

Teller ohne Rand

Es gibt sie ja, die Menschen, die nicht über den Tellerrand hinausschauen. Einige machen es aus Faulheit nicht. Weil sie sich gerade so wohlfühlen, da wo sie sind, und wenn man den Blick hebt, könnte man plötzlich noch lästige Aufgaben erblicken, die es zu erledigen gilt. Dann gibt es die Ängstlichen, die den Blick über den Tellerrand nicht wagen, weil sie Angst davor haben, was sich hinter dem Tellerrand befinden könnte. Und zu guter Letzt die Ignoranten; mit falschem Stolz erzählen sie den Faulen und den Ängstlichen Lügengeschichten darüber, was sich hinter dem Tellerrand befinden würde.

Sie selber sind davon überzeugt, dass es im Tellerinneren am schönsten ist, am sichersten, besten und friedlichsten, und alles, was sich dahinter befindet, schlecht ist. Auch die da Lebenden seien schlecht und hätten es nicht verdient, hier im Tellerinneren zu leben. Schenken Sie also diesen Leuten Teller ohne Tellerrand. So können sie ihre Angst ablegen, die Faulheit überwinden und ihre Ignoranz Lügen strafen. Es ist ein bildendes Geschenk, von dem man sogar noch ein leckeres Stück Fleisch essen kann, einfach ohne Sauce, die läuft nämlich aus.

Geld

Wir leben im Kapitalismus, der sich unter dem Deckmantel der sozialen Marktwirtschaft versteckt, wieso also nicht das schenken, worum es im Leben wirklich geht: Geld. Das Zauberpapier, das auch als Geschenkpapier verwendet werden kann, ist allmächtig, und man kann sich damit alles kaufen, sogar Freunde. Denn glauben Sie den Sozialromantiker-Schwachsinn nicht, dass man sich keine Freunde mit Geld kaufen kann. Es geht für eine gewisse Zeit, also so lange, wie das Geld da ist, aber es geht.

Passen Sie einfach auf, dass der Beschenkte nicht bei der Fifa oder im Leichtathletik-Verband arbeitet. Es könnte schnell der Verdacht aufkommen, Sie wollen eine Fussball-WM im eigenen Garten veranstalten oder die Werte in ihrem Blut von illegalen Substanzen damit entschuldigen, dass diese in der Zahnpasta gesteckt hätten. Bei solchen Personen schenken Sie dann doch besser einen Gutschein für eine Stunde bei einem guten Anwalt.

(Daniel Glutz/Nebelspalter)

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