So isst die Welt
Slowenien
publiziert: Donnerstag, 2. Mrz 2017 / 12:00 Uhr
 
 

Manche haben das schon durcheinander gebracht: Slowenien, Slawonien, Slowakei - diese Länder verwechseln aber nicht nur Aussenstehende, auch Fernfahrer und sogar die Bewohner selbst, wenngleich ein Slowake nur alle Ljubeljahre nach Slowenien fährt.

Die dauernde Verwechslungsgefahr lähmt die Wirtschaft und damit eine weitere Europäisierung. Wie viele Container schon verloren gegangen sind, weiss keiner. Seit aber mit Melania eine Slowenin im Weissen Haus sitzt, befindet sich das Land im Fokus. Bedeutendster Kulturträger des Landes bleiben indes die Nachfahren der Oberkrainer.

Die Vorsilbe «slow» deutet es an: Dieses Land ist die Heimat des Slow Food. Köchinnen bewegen sich mit der Anmut von Dreizehenfaultieren. Viele Gerichte klingen so, als würde man sich die Zähne putzen. Leider ist dem Autor das Slowenisch-Wörterbuch abhandengekommen, so dass die Begriffe wie «Kraski prsut», «Zganci», «Struklji» und «Kmecka pojedina» nicht übersetzt werden können.

Lediglich das «Cevapcici» geniesst einen gewissen Ruf aus jenen Zeiten, als man noch zum «Jugo» essen ging. Diese haben sich zwar nach den Balkan-Kriegen auf die sogenannte «internationale Küche» verlegt, doch das Image ist futsch. Ohnehin ist die Küche so wenig slowenisch wie die kroatische kroatisch.

Man tritt den Slowenen nicht zu nahe, wenn man behauptet, ihre Küche sei stark an der Serbiens orientiert. Dort werden Nahrungsmittel erbarmungslos aufgespiesst, mit Spiessen kann man jedes noch so stolze Stück Fleisch bis ins Mark demütigen - «Raznjci» ist so ein Fall. Der Holzkohlenrost ist der Altar, auf dem jedes Stück Fleisch geopfert wird, in wahren Massen, und Holzkohle haben die Serben, ein sensationell übellauniges Volk, in den 90erJahren wahrlich genug produziert.

Was an Finesse fehlt, macht mangelnder Service auch nicht wett. Notfalls wird tüchtig gewürzt. Wie alle Mittelmeeranrainer - Sloweniens Anteil: 46 Kilometer - können die Ex-Jugos nicht heizen, daher die Tendenz zur Schärfe. Trotzdem - wie sprach schon Lothar Matthäus, der einmal Parmesan Belgrad trainiert hat: «Jede Nation hat ihre Qualitäten.» Was wiederum mit einem alten slowenischen Sprichwort korrespondiert: «Die kleinste Nuss hat den härtesten Kern.»

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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