So isst die Welt
Rumänien
publiziert: Dienstag, 1. Mrz 2016 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 1. Mrz 2016 / 13:26 Uhr
 
 

Aus aktuellem Anlass müssen wir uns fragen, wie sich die Gruppengegner an der Fussball-EM ernähren. Bei Rumänien ist das problematisch. Die haben ja nichts dort. Keine Ressourcen. Null Energie. Ohne Saft und Kraft. Der einzige Strom, der regelmässig fliesst, ist der Flüchtlingsstrom...

Alles andere ist total unspannend. Die Donau ist zwar ein Strom, liefert aber nur so viel Energie, wie das Kraftwerk braucht. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Romina Power hat Bankrott angemeldet. Watt gibt es nur im Schwarzen Meer. Die Rumänen haben keine Kohle für Sprit und deswegen auch keine Kohlehydrate in der Nahrung. Ebenso wenig Öl. Salate kommen unangemacht, so sie denn kommen.

In den Restaurants brennt nur Kerzenlicht. Ist aber nicht romantisch, weil Not. Darum müssen die Rumänen auch dauernd rumzappeln, Bewegung hält warm. Darum sind sie hervorragende Bodenturner. Viele Rumänen werden depressiv. Andere tanken Kraft aus Halsschlagadern, ein traditioneller transsilvanischer Brauch, der auf den Grafen Stragula zurückgeht. Bald aber wird das Land vollends ausgeblutet sein. Anämisch ist es jetzt schon. Nicht mal Rum gibt es mehr, das Land sollte nur noch Änien heissen. Und die Rumänen, die noch Kraft haben, wollen abhauen.

Die Küche ist dominiert von der Moldau und der Walachei. Der ungarische Einfluss (Grammelpogatscherl aus Germteig und Grammeln, was immer das sein mag) wird nur ungern erwähnt, ebenso der Einfluss der Siebenbürger. Die Küche ist dennoch absolut schaf, Rumänien ist in der Schafzucht auf Rang 4, ein Platz, den sich Schweizer Fussballfreunde für die Rumänen auch bei der Vorrunde wünschen). Besonders beliebt ist der Schafseckel, zu dem gerne «Mamaliga» gereicht wird, ein Maisbrei, der aber nur von Maisbietenden ersteigert werden kann.

Zu den Spezialitäten gehören saure Krautwickel, für Profitschutter auch als Wadenwickel erhältlich, aus­serdem «Ciorba de burta», eine Kuttelsuppe mit leckeren Laktaten drin. Nicht übel ist der «Salata de vinete» und «Pastrama» - geräuchertes Rindfleisch in Paprikamantel, das nur im Winter gegessen werden kann. Ähnlich wie die Griechen nehmen sie vom Wein nur die Blätter, um ihre Rouladen damit einzuwickeln: «Sarmalute cu foi de vita». Heruntergespült wird alles mit einem «Visinata», einem Schnaps auf Sauerkirschbasis, wobei es im Magen-Darm-Trakt zu interessanten Ergebnissen kommen kann, die sich gelegentlich auf die Kampfkraft der Kicker auswirken. Allerdings weiss keiner, wie.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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