Tor des Monats
Ronja Furrer
publiziert: Donnerstag, 28. Jan 2016 / 16:41 Uhr
 
 

Normalerweise steht diese Rubrik ziemlich exklusiv nationalen und internationalen Grössen aus Politik und Wirtschaft offen, aber heute möchten wir diese Zeilen nutzen, um uns für Ronja Furrer aus Lüterkofen, Kanton Solothurn, einzusetzen. Denn Ronja Furrer hatte in den vergangenen Tagen mehr Stress, als ihr lieb war (Vorausgesetzt, dass ihr der gleichnamige Rapper und Freund noch immer lieb ist)...

... Das kann ja in diesen Kreisen schnell ändern. Melanie Winiger, die Exfrau des gleichnamigen Rappers, hat jedenfalls bereits den zweiten Freund seit der Scheidung nicht mehr lieb. Aber wir waren ja eigentlich beim Stress.

Ronja ist übrigens das, was unsere Kollegen von der Schweizer Illustrierten jeweils als international erfolgreiches Topmodel klassifizieren. Und wenn international erfolgreiche Topmodels keine Frauenbilder von sich knipsen lassen, sondern sich selbst über Frauenbilder äussern, dann klingt das so: «Fast alle, die in der Modewelt etwas zu sagen haben, sind schwule Männer. Die wollen Models, die aussehen wie Buben. Je knabenhafter, desto besser.» Schwule sind also schuld am Magerwahn der Modelszene? Schuld an einem Magerwahn, unter welchem auch die «dicke» Ronja (90 statt 86 cm Hüftumfang) sehr gelitten hat. So schnell, wie die erste Fäkalböhe des Social-Media-Shitstorms über sie hinwegfegte, konnte sich Ronja auf ihren Laufsteg-Absätzen gar nicht in Deckung bringen. Dabei ist das, was Topmodel Furrer da der SonntagsZeitung ins Mikrofon diktiert hat, in der Branche längst ein offenes Geheimnis. Denn auch Kerstin Cook kann die Beobachtung bestätigen, und die ist immerhin das, was unsere Kollegen von der Schweizer Illustrierten als eine national erfolgreiche Ex-Miss-Schweiz einstufen.

Die Dominanz homosexueller Männer hat nicht nur in der Modewelt zu androgynen Cat­walk-Bohnenstangen geführt, sie hat in anderen typisch schwulen Berufsgattungen auch Spuren hinterlassen: Homo-Saftschubsen mit ihrer Vorliebe für schlanke Knaben sind dafür verantwortlich, dass die Sitzabstände in den Flugzeugen immer enger wurden. Und wäre das Schweizer Fernsehen nicht geradezu von schwulen Moderatoren durchsetzt, hätte sich womöglich der Flachbildschirm nie gegenüber der bauchigen Braun'schen Elektronenröhre durchgesetzt. Demgegenüber lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Berufe, in denen Kurven eine zentrale Rolle spielen, die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung äusserst selten anzutreffen ist - etwa im Strassenbau oder in der Formel 1.

Der Verdacht liegt auf der Hand, dass die Modewelt ohenhin eine ganz andere wäre, würde sie nicht vom Homo sapiens, sondern vom Hetero sapiens bestimmt. Nur schon die Idee, Frauen statt in Röcke und Kleider in Hosen zu stecken, kann nur den gleich­geschlechtlichen Vorlieben eines schwulen Designers entsprungen sein. Wahre Kerle dagagen würden den unwürdigen Innovationsnotstand rund um den Büstenhalter-Verschluss keine zwei Kollektionen lang hinnehmen und in Windeseile idiotensichere Mechanismen und Notschalter entwickeln.

So sehr wir hier auch bemüht sind aufzugeigen, dass Ronja Furrers Analyse keinesfalls das naive Geplapper eines menschlichen Kleiderständers ist, so wollen wir dennoch nicht unterschlagen, dass auch dieser Debatte ein Henne-oder-Ei-Problem innewohnt: Prägten wirklich schwule Männer das heutige Frauenbild? Oder hat nicht umgekehrt die Dominanz weiblicher Erziehungs- und Lehrkräfte im Kindergarten und an den Schulen jene Männer beeinflusst, die heute das Sagen haben und die homosexuelle Lebensart vom Tabuthema in einen Trend  verwandelten?

Diese letzten Gedankengänge konnten wir zwar im Interview der SonntagsZeitung mit Ronja Furrer nicht finden. Wir haben aber Grund zur Annahme, dass der Leserschaft ganze Teile des Gesprächs unterschlagen wurden - sei es aus Platzmangel, sei es aus anderen Gründen. Denn es ist nur schwer vorstellbar, dass Ronja Furrer nicht auch auf den Zusammenhang aufmerksam gemacht hat, dass Köln - Schauplatz der Silvester-Übergriffe auf Dutzende von Frauen - die schwulenfreundlichste Stadt Deutschlands ist. Und dass Frauenmode vor 100 Jahren, als sie noch nicht schwul dominiert war, aus so vielen Röcken und Unterröcken bestand, dass der Mindestabstand zur nächsten Person immer mindestens eine Armlänge betrug. Wenn es Ronja nicht sagen durfte, tun wirs: Das kann doch alles nicht Zufall sein!

(Marco Ratschiller/Nebelspalter)

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