Bereits Dutzende Kunden verärgert
PostShop startet Test mit Briefzustellung
publiziert: Freitag, 11. Jul 2014 / 17:22 Uhr / aktualisiert: Freitag, 11. Jul 2014 / 23:42 Uhr
PostShop Lenzburg: Wer nur etwas Süsses will, wartet genervt.
PostShop Lenzburg: Wer nur etwas Süsses will, wartet genervt.

Der Schweizer Detailhandelsriese «PostShop» wird um ein Angebot reicher: Versuchsweise sollen im weitverzweigten Filialnetz, in dem es vom Schokoriegel bis zur Bohrmaschine alles zu kaufen gibt, auch Schriftstücke zum Versand an Drittpersonen aufgegeben werden können.

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(nebi/sat/ire) Handys, Bücher, Süssigkeiten und Haushaltsartikel: Dass die Post im Schweizer Detailhandel ganz vorne mitmischt, ist bekannt. Doch jetzt hat der Konzern einen weiteren Schritt gewagt. Seit einigen Tagen können Kunden in einzelnen Filialen bedruckte Schriftstücke - gewissermassen E-Mails in Papierform - aufgeben und gegen Gebühr an einen Empfänger im In- oder Ausland zustellen lassen. Der neuartige Service, dessen Testphase rund sechs Monate dauern soll, nennt sich «BriefPost» und soll in zwei Zustellgeschwindigkeiten A und B angeboten werden.

PostShop-Sprecher Bernhard Bürki gibt sich zum angelaufenen Pilotversuch vorsichtig optimistisch: «Unser Unternehmen ist mit 3500 Standorten in der ganzen Schweiz eigentlich dazu prädestiniert, Dienstleistungen im Fernmeldebereich anzubieten.» Dennoch gelte es jetzt, die Bedürfnisse der Kunden kennenzulernen und das Angebot schrittweise auszubauen. Denkbar wären neben der Dokumentzustellung etwa auch Warentransporte bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm. Den möglichen Namen dieses Angebots lässt Bürki jedenfalls schon einmal durchsickern: «PostPac». Voraussetzung für einen flächendeckenden Erfolg des Pilotprojekts wäre allerdings, dass Schweizer Haushalte im Eingangsbereich eine mit ihrem Namen beschriftete Empfangsbox für die Zustellung aufstellen - was für den obersten Datenschützer Hanspeter Thür schon aus juristischen Gründen sehr fragwürdig ist.

Massive Kritik vom Konsumentenschutz

Bereits heute ist jedoch klar, dass nicht alle PostShop-Kunden Freude an der neuen Dienstleistung haben. Bei Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SIKS), sind bereits Dutzende Reklamationen von verärgerten Kunden eingegangen. «Leute, die nur schnell ein Taschenbuch, eine Schlafbrille oder einen Sandwichtoaster kaufen wollen, beschweren sich bereits über lange Wartezeiten an der Kasse, weil irgendwelche Kunden umständlich die neue «BriefPost» ausprobieren wollen.» Die SKS fordert nun ein rasches regulatorisches Eingreifen der Politik.

Bedrohung für herkömmliche Mailprovider

Auch andere Experten stehen dem Angebot skeptisch gegenüber. Was passiert, wenn die E-Mail-Provider und SMS-Dienste ihre Kundschaft verlieren? «Hier stehen Millionenumsätze und schliesslich Hunderte von Arbeitsplätzen auf dem Spiel». Für Kleinunternehmen wie Swisscom, Orange und Sunrise könnte das Postangebot weitreichende Folgen haben. «Ihr angestammtes Marktsegment wird von einem grossen Akteur besetzt, der von seinem aufgeblähten Filialnetz profitiert», sagt ein Branchenkenner, «das ist eindeutig Wettbewerbsverzerrung». Zudem hätten junge Logistikunternehmer wie DHL oder UPS für Versanddienstleistungen über 50 Gramm längst Angebote entwickelt, bei denen der Kunde zwischen drei bis vier erfolglosen Zustellversuchen oder einer Fahrt in eines der landeweit vier Logistikcenter wählen kann. Wenig wahrscheinlich also, dass PostShop mit der Expansion ins Briefgeschäft erfolgreich sein wird. Oder wie es der Branchenkenner formuliert: «Krämer, bleib bei deinen Schokoriegeln.»

(Marco Ratschiller/Nebelspalter)

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