So isst die Welt
Portugal
publiziert: Freitag, 11. Dez 2015 / 08:46 Uhr

Am 6. September 2016 startet die WM-Quali für die Schweiz gegen Portugal. Ein schwieriger Gegner, denn die Portugiesen spielen mit Wut im Bauch. Wütend sind sie wegen der Armut, Portugal kämpft nach wie vor mit den Folgen der Bankenkrise und ist so arm, dass man 2012 sogar die Postleitzahlen entwerten musste, weil einfach nichts mehr drin war in der Portokasse...

Der Fischfang stagniert, die Flotte ist nicht mehr flott, sondern hoffnungslos veraltet. Die Lähmung des Salazar-Regimes wirkt bis heute, dazu der Verlust der Kolonien, schrecklich. Die Azorentiefs nehmen auf portugiesischem Boden ihren Ursprung. Die Erosion frisst das Land auf. Selbst die bedeutendste Brücke des Landes ist eine Hängebrücke. Oh, schwere Last!

Zudem sind die Portugiesen entkräftet durch die anstrengenden Zisch- und Nasallaute ihrer Sprache, wodurch zu viel Luft ins Gehirn gelangt. Und dann diese beschwerlichen Zischlaute, grässlich. Das Leben ist ein Drama. Der Portwein lässt das Blut allmählich verkleben und der allgegenwärtige Katholizismus macht das Leben auch nicht leichter. Trauerweiden gedeihen trefflich zwischen Douro und Algarve. Kurz: nirgends kann man seinen Hang zu allumfassender Tristeza ungehemmter freien Lauf lassen.

Zwischen den Trauerphasen müssen sie sich dennoch ernähren, und dabei müssen sie manche Kröte schlucken, am besten mit Molho Bigode, der französischen Sauce Rouille nicht unähnlich, nur halt ganz anders. An besseren Tagen sorgen Kummerspeck, Trauerklösse in Madeira, Unglückspilze und alle Arten von Fertigmachgerichten für das leibliche Unwohl. In Lumbago, am Zusammenfluss von Sado und Maso gelegen, sind «Verlorene Eier» der Renner.

Im Herbst streifen Morchelmörder durch die spärlichen Wälder. Fleisch kommt selten auf die Teller, höchstens einmal Rebhuhn oder Reblaus, auch Innereien reissen es nicht raus: Das Höchste sind «Geröstete Salatherzen». Eine Landzunge dann und wann. Eher greift man aber zu Fisch und wenn, dann zu B-Ware: Sardellen statt Sardinen. Zum Dessert gibt es Quallenstrudel oder Nougat-Hering.

Gegen die Kargheit ihres Speiseplans können die Portugallier keine Rechtsmittel einlegen, nicht einmal in Salzlake, und das erklärt wohl, warum sie so traurig sind. Wenn alle Stricke reissen, nimmt man erlesene Psychopharmaka von den schönsten Psychofarmen Lusitaniens. Wie sie es trotzdem schaffen, halbwegs manierlich zu tschutten, bleibt ein Rätsel. Immerhin: Portugals Männer sind leicht im Vorteil, in ihren buschigen Schnurrbärten sammelt sich oftmals genug für eine zweite Mahlzeit.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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