So isst die Welt
Lettland
publiziert: Donnerstag, 1. Dez 2016 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 1. Dez 2016 / 10:46 Uhr
 
 

Die Hauptstadt Lettlands heisst Riga, und wegen ihrer Bewunderung für alles Italienische nennen sich die Bewohner selbstbewusst Rigatoni.

Die lettische Kapitale war im 17. Jahrhundert die grösste schwedische, im 18. Jahrhundert die zweitgrösste russische Stadt, und auch jetzt spielt Riga im innerlettischen Vergleich in der ersten Liga. Dennoch gibt es eine harte Prüfung für alle Touristen und Letten-Lover, denn irgendwie müssen sich die Letten ja auch ernähren. Die Küche indes ist schwer und der Gegenentwurf zu fettarm. Kalorien stehen unter Artenschutz. Viel Sahne. Hülsenfrüchte - aus der Zeit der russischen Besatzung wimmelt es im Land von Patronenhülsen. Damit man diese Küche von der der anderen baltischen Staaten unterscheiden kann, ist man auf spezielle Farben ausgewichen: Graue Erbsen oder gelbe gelten als Spezialität. Dennoch ist das Land alles andere als ein Gemüseparadies: Im Winter kann es bis zu 16 Stunden am Tag dunkel sein, was wirklich nur der Schattenwirtschaft gut bekommt.

Überraschenderweise isst man auch gerne deutsch: Eintöpfe, immer mit Schweinefleisch. Geräucherter Speck oder eine geräucherte Wurst namens «?aveta desa», streng genommen sind in Lettland alle Nahrungsmittel geräuchert dank eines unvorstellbar hohen Tabakkonsums. Sauerkraut steht häufig auf dem Speisezettel. Bahnhofsletten essen gerne Piragi, das sind Teigtaschen, die derart beliebt sind, dass man sich überall vor Teigtaschendieben vorsehen muss. Ab und an ist der Lette auch für eine Fischzellenkur zu haben, Neunauge, Spickaal oder Plunder. Der Renner ist eine Milchsuppe mit Fisch bzw. eine Fischsuppe mit Milch, so genau lässt sich das nicht bestimmen, da die Oberfläche unter einer zwei Zentimeter dicken Schicht Dill begraben liegt.

Gerne ernähren sich die Letten auch von Pilzen, die praktisch überall wachsen: Am höchsten ist der Pilzbefall in den feuchten Gemäuern aus der russischen Besatzungszeit.

Kommen wir zum Nachtisch: Absolute Nummer eins ist «Debbesmanna», ein Moosbeeren-Dessert, serviert in Milch. Wahlweise Sahne. Oder Rahm. Bzw. Nidel. Dazu trinkt man gerne einen Birkensaft und reinigt die Zähne anschliessend mit einem Birkenstock. Nach einem Glas Honigbier oder «Ruguspiens», einer Art Sauermilch, kann man sich gestärkt allen Herausforderungen stellen, auch im Fussball. Da kann man nur sagen: Toi, Toi, Toi, Letten!

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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