So isst die Welt
Italien
publiziert: Donnerstag, 31. Aug 2017 / 09:59 Uhr
 
 

Im Herbst wählt der Italiener. Eigentlich macht er das häufig - woher nimmt er nur die Kraft dazu? Aus der Küche? Als Grosskantonaler sollte ich mich zurückhalten: Vor 25 Jahren wusste kaum einer, dass Linguisten, Linguini, Ligurer und Langusten völlig verschiedene Dinge sind. Carpaccio, Cappuccino, Catenaccio ... Was davon ist koffeinhaltig? Bei Niederschrift des Wortes Parmiggiano hat sich manch einer einen Bandscheibenvorfall eingehandelt.

Ohnehin kommt nicht alles Gute ausschliesslich aus Italien: Ravioli zum Beispiel stammen, die Endung «-li» verrät es schon, aus der Schweiz. Wie Broccoli oder Chili. Und gerade erst ist bekannt geworden, dass die Olive nach Jamie Oliver benannt worden ist. Allerdings klingt auf Italienisch alles viel besser. Rucola etwa als Gartensenf-Rauke vor Jahren in Mitteleuropa ein Riesenflop!

Nur bei Pizza gilt: Für die Nebenwirkungen fragen Sie am besten Ihren Arzt oder Apotheker. Vorsicht bei Bestellung mit der Handhabung der italienischen Sprache: Ein namentlich nicht genannt werden wollender Mitarbeiter dieser Zeitschrift hat unlängst in einem einschlägigen Restaurant Pizza mit Pizzo verwechselt. Pizzo ist Schutzgeld. Klaglos hat er die 10000 Euro genommen und zugesehen, dass er rauskommt.

Nebenbei: Ein japanischer Pizzabäcker hat bei einem Wettbewerb in Neapel 24 italienische Konkurrenten besiegt. Experten und Journalisten hätten entschieden, dass Makoto Onishi unter allen Teilnehmern die «echteste» neapolitanische Pizza gefertigt hatte. Was ist eigentlich mit Spaghetti los? Reine Giftnudeln! Da ist Methyl-Zellulose drin. Mozzarella ist heute oft Kunstkäse aus Milch und Soja-Eiweiss, Pflanzenfett und Aromastoffen.

Ah, Roma! Das klingt schon gleich so südlich! Gottvertrauen und bessere Präsentation, das ist es doch. Wie nennt man Rucola von vorgestern? Hausgemachtes Pesto. Bockelharter Käse, steinalt? Pecorino ... Was uns die Italiener verkaufen, sind augenscheinlich nicht nur Salame, Sardelle, Sambuca, Scaloppine oder Stracciatella, sondern Anteilscheine am Glück, Traum-Obligationen und Lockerheits-Shares. Da sind wir total drauf versessen, um endlich auch einmal cool zu sein.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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