Die Geschichte zum Bild
Fast wie im richtigen Leben
publiziert: Montag, 3. Okt 2016 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 3. Okt 2016 / 09:36 Uhr
 
 

Cool, das mit Angelina Jolie und Brad Pitt. Natürlich auch traurig, aber doch vor allem spannend und überraschend. Überraschung ist wichtig.

Wenn man im Kinosessel sitzt, möchte man, dass da etwas passiert, mit dem man nicht gerechnet hat. Sonst könnte man sich ja selbst eine Geschichte ausdenken. Aber heutzutage reicht es eben nicht mehr, dass die spannenden Storys im Kino über die Leinwand flimmern. Film ist ein altes Medium.

Im digitalen Zeitalter mit Social Media und so läuft der Film permanent. Das Leben ist der Film. Brad und Angelina mussten etwas tun. Die Geschichte vom hübschen Traumpaar mit den vielen Kinderlein, die hält man als Zuschauer auf die Dauer nicht aus. Null Spannung, null Action, null Twist. Aber zum Glück haben sie jetzt die Kurve noch gekriegt. Scheidung! Misshandlung! Privatjet! FBI! Die Medien überschlagen sich, die Fans knabbern aufgeregt an ihren Fingernägeln, oder am Popcorn, und können die Fortsetzung kaum erwarten.

Schauspielerinnen und Schauspieler müssen sich auf die neuen Medien einstellen,ob sie wollen oder nicht. Schlecht für die Work-Life-Balance, weil Work sowie Life kaum zu unterscheiden sind, andererseits haben sie dafür immer Arbeit. Das ist noch nicht überall angekommen. In der Schweiz schon. Vorbildlich hier unser Pendant zu Brangelina: Hansabelle. Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal waren grossartig in der Rolle eines dekadenten Schauspieler-Ehepaars, das mit der Übernahme des Restaurants «Wildhorn» die bernische 800-Seelen-Gemeinde Lauenen aus den Angeln hob. Eine herrliche Dorfposse, die darin gipfelte, dass aufgebrachte Einwohner eine Plastikkuh vor der Beiz mit Mist beschmierten und ihr ein Messer in den Rücken rammten. Grossartig. Eine Story mit dürrenmattschen Zügen. Wer tatsächlich der Autor dieser Geschichte ist, bleibt verborgen. Es gibt keinen Abspann. Und bislang auch noch keine Preise. Eigentlich gebührt Schenkers für diese Komödie der Prix Walo in einer neu zu schaffenden Kategorie. Auch in Hollywood muss man sich entsprechende Gedanken machen. Ein Oscar für seine Hauptrolle als Bösewicht in der Scheidungs-Schlacht würde Brad Pitt für vieles entschädigen, das er sich gerade anhören muss.

Denn das Problem ist, dass viele Menschen, die in den neuen Medien noch nicht so geübt sind, diese Geschichten für bare Münze nehmen. Darsteller werden mit ihrer Rolle verwechselt. Viele Leute glauben etwa wirklich, dass Tom Cruise Mitglied dieser verrückten Sekte Scientology sei. Das ist selbstverständlich absurd. Bruno Ganz ist schliesslich auch nicht Adolf Hitler. Andererseits gibt es auch Storys, die langweilig wirken, weil sie niemand glaubt. Die media-len Darbietungen von Walterina, also dem Laiendarstellerpaar Irina und Walter Beller, fallen beim Publikum aus qualitativen Gründen immer wieder durch. Alles kaufen die Leute dann doch nicht ab.

(Daniel Kaufmann/Nebelspalter)

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