So isst die Welt
Färöer
publiziert: Donnerstag, 3. Nov 2016 / 15:47 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Nov 2016 / 17:55 Uhr
 
 

Im November gastieren die Fussballer der Färöer in der Schweiz. Ihre Heimat ein ist Gewimmel von Inselchen und Eilanden zwischen Island und Südnorwegen, auch Schafsinseln genannt, weil es dort mehr Wollträger hat als Einwohner. Obacht: Menschen mit derart fremden Essgewohnheiten sind immer für eine Überraschung gut.

Natürlich dominieren Schafe und Fische den Speisezettel, und dies in unterschiedlichsten Aggregatszuständen: «Ræstur», also abgehangen, am Anfang der Gärung. «Skarpræstur» - scharf abgehangen - sind Fisch oder Fleisch nach sechs bis neun Monaten Lagerhaft. Sie entwickeln bis dahin einen sehr strengen Geschmack, zartbesaitete Esser lesen besser darüber hinweg. Gegen diese Rezepte kann der Reisende aber Rechtsmittel einlegen, am besten in Salzlake. Überhaupt pökeln sich die Einheimischen gerne in aller Öffentlichkeit an. Bestellungen in den Restaurants von Tórshavn scheitern häufig daran, dass die Färinger oft ihre eigene Sprache nicht verstehen, nicht zuletzt wegen der ulkigen Buchstaben. Deshalb weichen sie gerne auf Gebrauchsdänisch aus. Der niedrigen Temperaturen wegen bezeichnet man die Färinger auch als Tiefkühlbrasilianer. Trotzdem züchten sie unermüdlich Gemüsesorten im Freien, zumal Hotdog mit Rotkohl zu den Nationalgerichten zählt, und dank eines unablässigen Nieselregens sind sowohl Gemüse als auch die Produzenten mit allen Wassern gewaschen.

Vom Schaf wird alles verwertet, von der Hodensuppe «Skólpasúpan» bis hin zum «Seyðahøvd», also dem kompletten Schafskopf, der auch als Kartenspiel verwendet wird. Schafstalg wird bei «Fiskaknettir» verarbeitet, also Fischklösschen aus frischem Schellfisch. Wenn ein Schaf nicht die gewünschte Qualität aufweist, nimmt man gerne Schafes Bruder. Fisch wird oft als Stockfisch gereicht, wobei der Spazierstockfisch in der Gunst ganz vorne liegt. Ein Renner ist auch «Grindabúffur», ein leckeres Grindwal-Steak mit Kartoffeln und weisser Sauce, das einem japanischen Briefwalsteak in nichts nachsteht. Derart gestärkt könnten die Färinger nun Bäume ausreissen, so es denn welche gäbe auf ihrer Insel. Die Ösis haben sie immerhin schon einmal in die Knie gezwungen.Væl gagrist - wohl bekomms!

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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