So isst die Welt
England
publiziert: Montag, 1. Feb 2016 / 08:01 Uhr / aktualisiert: Montag, 1. Feb 2016 / 08:38 Uhr
 
 

Bald sollen auch hierzulande Insekten auf der Speisekarte zugelassen werden. In England isst man da schon weiter: Maden in Madeira, Larven an Lavendelpudding, die Möglichkeiten sind unbegrenzt ...

Insekten sind auch als Snacks geeignet: Halbtagsfliegen für den kleinen Hunger zwischendurch oder Tapas mit Silberfischfilets. Abends ist dann das Heimchen am Herd nicht nur mit dem Grillen beschäftigt, sondern auch mit den Grillen, dazu reicht man leckere Ameisenknödel mit Grashüpfersalat und ein paar Honigbienen zum Dessert - schmeckt alles «marvellous» und enthält zusätzlich Proteine. Wenn mal in einem Menü der Wurm drin ist, so ist das ebenso gewollt wie die Fliege in der Schildkrötensuppe. Kurz, Insekten sind in, sie heissen schliesslich nicht Outsekten. Vielleicht kommen Sie beim ersten Mal mit dem Heuschrecken davon, aber Experten versichern: reine Gewöhnungssache.

Dabei ist die englische Küche auch schon ohne Insekten bizarr genug: Grüne Erbsen. Minzsaucen. Die Engländer lieben Brechbohnen, Brechmöhren, Brechgurken, überhaupt bereiten sie alles so zu, dass man hinterher gerne brechen will. Viele Speisen sehen aus, als hätte man sie aus der Deko eines Wallace- & Gromit-Films entwendet. Lebensmittelvergiftungen sind kaum vorstellbar, denn die Mägen sind abgehärtet.

An­dererseits, machen wir uns nichts vor: Mit den Engländern hat der Fernsehköcheboom angefangen, Jamie Oliver, Nigella Lawson, eine Art Christine Neubauer der englischen Küche. Gut, die Engländer hatten es ja auch bitter nötig, das Prinzip bei Salat war jahrzehnte lang: Gewaschen gilt als angemacht. Ähnlich war es bei Fleisch: einfach Englisch. Komischerweise sagt man in England: Very rare. Sehr selten. Generell muss man eines bedenken: Die Engländer sind trotz ihres miserablen Essens überwiegend freundlich, die Franzosen hingegen tendieren zur Unhöflichkeit trotz ihrer formidablen Speisen.

«Kritische Inseln» - das war einmal. Jetzt steht das Nationalitätenkennzeichen GB eindeutig wieder für «Getting Better»! Die Köche werden dabei immer erfindungsreicher: In London hat ein Restaurantkritiker der Times auf der Toilette eines gehobenen Speiselokals Klopapier mit seinem Konterfei darauf entdeckt.

(Thomas C. Breuer/Nebelspalter)

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