Endlich Klarheit in der Armee-Frage
publiziert: Samstag, 27. Sep 2008 / 18:52 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 28. Sep 2008 / 20:40 Uhr

Die vergangene Armeedebatte hat gezeigt, wie uneins die Schweiz in der Kernfrage der Armee ist. Der Nebelspalter listet darum die armeepolitischen Vorstellungen der verschiedenen Parteien nochmals in aller Klarheit.

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SP:

Hier wird das Armeebild von zwei Leitfragen bestimmt: Gender und Aussenpolitik. Obligatorischer Armee-Dienst steht eigentlich im Widerspruch zu den Menschenrechten. Die Heimfassung der persönlichen Waffe ist eine Bedrohung der Schweizer Frau, die nicht länger geduldet werden darf. Wichtig ist die Armee im klassischen Sinn nur noch für Auslandeinsätze, damit Micheline Calmy-Reys Diplomatie der verschleierten Präsenz mit adretten Deux-Piece-Trägerinnen in allen Krisengebieten von der Internationalen Gemeinschaft Ernst genommen wird. Die Armee soll eine freiwillige Söldnertruppe von Lebensmüden, Ewiggestrigen und ausgesteuerten Arbeitslosen werden. Der Grossraum Europa soll von den bewährten, erotisch gestählten schwarzen Unterhunden der US-Streitkräften gesichert werden. Aber in den nächsten 100 Jahren werde es dank Gender-Empowerment keine bewaffneten Konflikte mehr geben (Evi-Allemann-Doktrin).

SVP:

Das SVP-Armeebild steht in der Tradition der mannhaften Wehrhaftigkeit. Die Armee XXI mit ihren nicht mehr in der Scholle des Vaterlandes verwurzelten «interoperablen» und NATO-kompatiblen Verbänden muss in das alte Massenheer der Armee 61 zurückgeführt werden, als noch eine klare Verbindung von Blut und Boden da war. Berner Verbände verteidigen eher die burgundische Schweiz, Ostschweizer Truppen sichern den Grossraum Zürich. Nur so ist ein «Gleichgewicht des Schreckens» innerhalb der Schweiz gewährleistet, während im Schweizerhaus, dem fraulichen Wallholz nach wie vor die heimgefasst Waffe mit verlöteter Taschenmunition entgegengesetzt werden muss. Die Schweiz muss fähig bleiben, dass eigene Territorium gegen den Rest der Welt «solange eine Ader in uns lebt» (Bubenberg) zu verteidigen (Toni-Brunner- Doktrin).

Grüne:

Die Armee gehört abgeschafft. Denn es gilt die ökologische Apokalypse abzuwenden. Es wird dafür der obligatorische «Bürgerdienst an Mutter Natur» gefordert. Jeder Bürger (und auch die niedergelassenen Ausländer) werden in den «Zivil- und Naturschutz Schweiz» eingeteilt. Es gibt örtliche Arbeitsbrigaden (eingekleidet in eine Öko-Uniform aus Max-Havelar Leinen aus dem UNO-Biosphärenreservat Entlebuch), welche ökologisch sinnvolle Einsätze im Rahmen der nationalen Ökoplanung leisten. Es werden Bagger und Planierraupen mit Russpartikelfilter für Räumungsarbeiten nach Erdrutschen und Lawinen gekauft. Die spirituelle Landesverteidigung wird an Gebetsexperten aller Konfessionen und Religionen übertragen (Geri-Müller-Doktrin).

FDP:

Das eidgenössische Schiesswesen (der Botellón der Liberalen) muss unbedingt beibehalten werden, damit FDP-Politiker nach wie vor bei Schützenfesten als Ehrengäste ihre Volksverbundenheit inszenieren können. Und auch Doris Fiala geht ganz gern an eine Brevettierung von jungen Offizieren, weil es sie dann so «tschuderet» vor patriotischer Ergriffenheit. Darum braucht die Schweiz eine Armee, die fähig ist, den Luftraum über dem WEF in Davos und über den Villen der Goldküste effizient zu sichern. Dank der Reduktion der Bestände und der Zulassung der Frauen in (theoretisch) alle Kampftruppen, ist es ja nicht mehr unbedingt nötig, dass der eigene Filius noch Dienst leistet, schliesslich ist es nicht leicht Sohn in einer alten FDP-Familie zu sein, was der Psychiater gerne bestätigt. Aber für die Integration von Balkan-Secondos ist die Füsilier-Rekrutenschule noch immer die beste Lösung. Darum weiter mit der integrativen Schein-Miliz, die von einem frauenfreundlichen CEO für ein Trinkgeld geleitet werden soll.

CVP:

Natürlich brauchen die Schweizergarden im Vatikan eine glaubhafte Heimarmee. Schliesslich war auch Bruder Klaus, der im letzten Krieg seine Hand schützend über der Schweiz hielt, ein braver Katholik. Wenn die reformierten FDP-ler bewaffnet sind, dann müssen es auch die katholischen CVP-ler sein. Das war schon immer so. Die Klöster Disentis, Engelberg und die Altäre des Reduits mit ihren Reliquien müssen vor unchristlichen Angreifern im «heiligen Krieg» geschützt werden können. Und wichtig ist, dass an der Fronleichnamsprozession ein glaubwürdiges Detachement des nationalen Trachtenvereins mitmarschiert. Natürlich ist es nicht einfach die Last dieser grossen Tradition zu tragen, weshalb in CVP-Familien sich Rückenbeschwerden häufen, was zu Dienstuntauglichkeit führen kann. Aber einem eingebürgerten Tschinggen oder Spaniöggel hat, als braven Katholiken, eine RS noch nie geschadet. Die Dienstwaffe muss während der Monatsblutungen der Gattin (Fristenlösung der CVP-Frauen) bei der Pfarrköchin abgegeben werden (siehe: Enzyklika menstruatio et arma).

Giorgio Girardet

(Nebelspalter)

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Forum
Danke für den Hinweis, Valerie ...
Ich habe für mich diesen Text etwas strukturiert ... und musste mich immer wieder besinnen, dass das Geschriebene eher eine Satire ist, weil Nebelspalter ..., und doch sehr treffend.

Nein, amüsant-lustig wirkt diese Satire (leider) nicht mehr ... Die Realität stimmt teilweise passgenau überein ...

Für die nächsten Abstimmungen und Wahlen müssten anständige Stimmbürger unbedingt "über die Bücher" und Despoten, Lügner, Mobber und dergleichen charakterlose Politiker nicht mehr wählen!
Auf den Punkt gebracht
Diesem Artikel ist eigentlich nichts beizufügen.
PS. Ehm, - "Tschingg" und "Spaniöggel" war früher ein Schimpfwort und könnte als rassistisch bezeichnet werden.
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Der nächste ‹Nebelspalter› erscheint am Freitag, 1. Juni unter anderem ohne diesen elitären Elfenbeinturm-Witz:

Ein Professor und ein Student stehen zufällig nebeneinander auf der Toilette. Sagt der Student: «Es ist aber schön, dass wir hier mal nicht als Professor und Student, sondern als zwei Männer stehen.» Antwortet der Professor: «Ja, aber wie ich sehe, haben Sie diesmal wieder den Kürzeren gezogen.»

 
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