Tor des Monats
Emmanuel Macron
publiziert: Donnerstag, 4. Mai 2017 / 12:45 Uhr / aktualisiert: Samstag, 6. Mai 2017 / 12:02 Uhr
 
 

Leider zeigten sich die französischen Behörden trotz mehrfacher Nachfrage dieser Zeitschrift ausserstande, uns aus Rücksicht auf unseren Redaktionsschluss bereits vorab den Gewinner der Stichwahl ins Präsidentenamt mitzuteilen. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, an dieser Stelle Emmanuel Macron a) sowohl als künftigen Präsidenten im Élysée sowie b) als Fussnote in der Geschichte der Fünften Republik zu porträtieren.

a) als Gewinner

Das Unvermögen der französischen Behörden ist dazu geeignet, exemplarisch aufzuzeigen, wie schlecht es um die einstige «Grande Nation» heute steht. Ähnliche Anfragen hatten uns straffer geführte Staaten wie Russland, Ungarn oder die Türkei jeweils umstandslos und präzise bis auf die zweite Nachkommastelle genau beantwortet.

Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, an dieser Stelle Emmanuel Macron a) sowohl als künftigen Präsidenten im Élysée sowie b) als Fussnote in der Geschichte der Fünften Republik zu porträtieren. (Für das zweite Szenario halten Sie sich bitte an die Spalte, die klar weiter rechts steht. Weiter rechts, Sie haben den Wink verstanden?)

Wenn also Emmanuel Parvenu Quesaisje Macron, wie der 40-Jährige mit vollem Taufnamen heisst, als der nächste Präsident Frankreichs vereidigt wird, dann nicht durch das, was er ist, sondern vielmehr aufgrund dessen, war er nicht ist: Marine Le Pen.

Zu beschreiben, wer Macron ist und wofür er steht, fällt indessen ungleich schwerer: Die Namensverwandtschaft zum Macaron, einem dem Luxemburgerli ähnlichen Süssgebäck, das mit viel Zucker, Eischnee und heisser Luft sein verführerisches Äusseres erlangt und in exklusiven Boutiquen wie «Ladurée» über die teure Theke geht, scheint kein Zufall zu sein: Der Anti-Le-Pen tritt sein Amt als politisches Leichtgewicht an. Ohne starke eigene Partei im Rücken wird es ihm in der zersplitterten politischen  Landschaft Frankreichs enorm schwerfallen, die Nation voranzubringen und Impulse zu setzen. Ein Macaron allein macht niemanden satt.

Doch vielleicht tut man Macron Unrecht, wenn man seine Amtszeit als erfolgloses «Hollande reloaded» apostrophiert. In der Partnerwahl hat er sich ja durchaus als fortschrittlich erwiesen: Seine Frau hat 25 Jahre Vorsprung auf Emmanuel. Millionen Franzosen sind von dieser Konstellation fasziniert - was es zumindest erträglicher machen wird, die kommenden fünf Jahre verwalteten Stillstands zu ertragen.


b) als Verlierer

Leider haben hohe Parteifunktionäre trotz mehrfacher Nachfrage dieser Zeitschrift nicht darauf geantwortet, wie man im Führerinnenhauptquartier des «Front national» mit dem unterlegenen Oppositionellen Emmanuel Macron zu verfahren gedenkt. Das spricht für eine konsequente Kommunikationsstrategie, dazu geeignet, exemplarisch aufzuzeigen, wie  durchdacht und effizient Marine Le Pen Frankreich wieder zu alter Grösse und neuem Selbstbewusstsein verhelfen wird.

Was der Sieg Le Pens für den Dissidenten Macron und dessen Zukunft bedeutet, darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Vieles wird davon abhängen, wie Marine Le Pen auf der Basis des bereits unter Vorgänger Hollande verhängten Ausnahmezustands durchgreifen wird.

Diverse Fotos zeigen, wie Macron nach dem ersten Wahlgang, aus dem er noch mit dem besten Resultat hervorging, anlässlich der Siegesfeier in einem Pariser Nobelrestaurant literweise Champagner bestellte und diesen mit Fruchtstücken versetzen liess. Le Pen könnte das als missglückten Punschversuch deuten und mit aller Härte gegen Macron und seine Anhänger vorgehen.

Zahlreiche Beobachter gehen allerdings davon aus, dass sich Le Pen weniger am Sultan vom Bosporus als am Proll vom Potomac orientieren wird: Im Gegensatz zu Recep T. hat Donald J. seine politische Widersacherin Hillary R. nicht einsperren lassen, sondern sie ganz allein der Schmach ihrer Nichtwahl und dem Frust ihrer Unterstützer überlassen. Das dürfte auch auf Macron warten.

Den Rest wird Le Pen getrost den liberal-progressiven Eliten Europas überlassen können: Deren Schock, ein weiteres Musterland der Demokratie an eine konservative Revolution unzufriedener Wutbürger verloren zu haben, ist unermesslich. Genauso wie die Lust, in Macron den Schuldigen zu sehen.

Das Positive zum Schluss: Wenn Le Pen ihren Freunden in Russland, Ungarn oder Polen genug nacheifert, wird es 2022 selbstverständlich sein, dass die Wahlresultate schon Tage vor dem Urnengang vorliegen.

(Marco Ratschiller/Nebelspalter)

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