Weidmanns Heilsgeschichte
Die endgültige Chronik der Jagd
publiziert: Freitag, 4. Nov 2016 / 09:51 Uhr
 
 

Nicht die Prostitution ist, wie fälschlicherweise oft behauptet, das älteste Handwerk der Welt. Sondern die Jagd. Bevor der erste Mensch überhaupt ans Ficken denken konnte, wollte er nämlich erst einmal die Nahrungsbeschaffung sicher­stellen. Dies wird von Historikern «Jagd in der Frühzeit» genannt, weil die Jäger bekanntlich früh aufstehen müssen.

 1,8 Mio. Jahre v. Chr.  
Wildfleisch steht schon auf dem Speiseplan, bevor der Mensch überhaupt weiss, wie Feuer funktioniert. Metzgete werden darum mit rohem Fleisch durchgeführt, wie das auch heute noch oft der Fall ist, wenn hungrige Metzgete-Gäste einfach nicht warten können. Da man alles, was vom Tier nicht aufgegessen wird, zu Kleidung oder zu Schmuck verarbeitet, gibt es auch viel weniger Essens­abfälle als heute. Auch werden Zelte aus Tierhaut nach Open Airs nicht einfach stehen gelassen. In der Altsteinzeit sind Menschen entweder Jäger oder Sammler. Da die Sammler mit ihrer Leidenschaft wenig fürs leibliche Wohl der Gruppe beitragen, werden sie schnell ausgegrenzt und als «Freaks» bezeichnet (ein Zuname, den die Boulevardpresse bis heute noch auf spinnerte Sammler anwendet).

 58 521 v. Chr.  
Ein verheirateter Mann schenkt erstmals seiner Geliebten einen Leopardenfell-Mantel. Diese mosert, sie habe sich doch einen Nerz gewünscht.

 40 000 v. Chr.  
Eine beliebte Technik des Urmenschen ist, das Wild in einen Abgrund zu treiben. Da solche Abgründe in den flachen Ebenen Afrikas kaum zu finden sind, kommt es zur sogenannten Völkerwanderung, die bis heute andauert.

 800 v. Chr.  
Die Römer verehren die Göttin der Jagd, Diana. Sie sind damit die Ersten, die in dieser Männerdomäne eine Frau akzeptieren. Es dauert aber noch mal gut drei Jahrtausende, bis eine Frau Präsidentin der USA werden kann. Die mit einem Bogen bewaffnete Diana ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Prinzessin, die keiner Fliege was zuleide tun konnte.

 500 n. Chr.  
Die Jagd ist die feudale Ersatzbeschäftigung des Adels. Der Pöbel kennt keinerlei Rechte. Mit der Schutzbehauptung, es gehe um die Bestandesregulierung, dürfen Aristokraten auch auf die Dorfbevölkerung schiessen.

 1800  
Frankreich führt die Parforcejagd ein. Und unter den Berittenen kommt es zu zahlreichen Unfällen, weil viele jeweils nur einmal jährlich für dieses gesellschaftliche Ereignis ein Pferd besteigen. Die Parforcejagd gilt darum auch als Vorläufer des «Grümpeli-Turniers».

 1812 
Bei den Gebrüdern Grimm spielt der Jägersmann oftmals die Rolle des Retters: Er rettet die sieben Geisslein, indem er den Wolf aufschneidet; er rettet Schneewittchen, indem er ihr nicht das Herz herausschneidet. Der Jäger verhindert das Sterben. Eben darum nennt man das auch «Märchen».

 1868 
In «Krieg und Frieden» beschreibt Leo Tolstoi die winterliche Wolfsjagd. Darauf berufen sich heute die Bündner Wolfsgegner, die den Abschuss verlangen, obwohl die meisten von ihnen das Buch gar nicht gelesen haben.

 1934 
Hermann Göring erlässt das Reichsjagdgesetz.

 1945 
wird dieses ohne Umschweife ins neue bundesrepublikanische Recht übernommen, allerdings ohne das Vorwort Görings. Erst Roger Köppel restauriert in der «Weltwoche» Görings Genie auf seinen verdienten Status.

 2004  
Die Jagd hoch zu Ross mit Hundemeute wird nach andauernden Protesten verboten. Die Monarchie weiss nun noch weniger mit der vielen Freizeit anzufangen und beschliesst, sich wieder vorrangig der Kinderproduktion zu widmen.

(Roland Schäfli/Nebelspalter)

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