
Lesen Sie die aktualisierte Neuauflage des weltbekannten Romans von Alistair MacLean.
Nur noch im schweizerischen Réduit waren Geschützstände von ähnlicher Grössenordnung zu finden, eine von Menschenhand in den Fels gehauene Höhle, eine Kanone beherbergend, die als unangreifbar galt: die Kanone von Navarone. Nicht umsonst hatte das Oberkommando den Margin Call an Pech, Gewinn und Nieviel gerichtet, weil ihr Ruf als hochexplosive Sprengstoff-Spezialisten selbst noch jenen des Rütli-Bomber übertraf. Der Auftrag, die Kanone so hoch wie die Facebook-Aktie in die Luft zu jagen, ging an Gregory Pech, den überbezahlten Super-Star, und Anthony Gewinn, der immerfort mit einem Griechen namens Sorbas verwechselt wurde, sowie David Nieviel, britischer Erfinder des Bleistift-Schnurrbarts.
Die drei tauschten einen sorgenvollen Blick aus, als sie ihr eigenes Insolvenzrisiko abwägten. «Das dürfte so schwer sein, wie die Untergrenze des Euro zu verteidigen, Sir», merkte Pech an, ohne es wie Ungehorsam klingen zu lassen. «Die Kanone von Navarone ist so wenig gegen Angriffe immun wie Christoph Blocher», gab ihr Kommandant zurück. «Wenigstens», wandte Gewinn optimistisch ein, «bekommen wir es nur mit der zweitbesten Armee der Welt zu tun.» Es war in Militärkreisen eine anerkannte Tatsache, dass die «beste Armee der Welt» in der neutralen Schweiz stand, wo sie niemandem ausser sich selbst schaden konnte.
«Sie brauchen nur ein bisschen Glück, Pech», merkte der Kommandant an. «Unsere Verluste», gab Nieviel zu bedenken, «werden nicht gering sein. Ich würde sogar sagen, unser Business Survival ist infrage gestellt.» Der Kommandant setzte ein ernstes Gesicht auf, um den dreien die Tragweite ihrer Mission auseinanderzusetzen: Die griechischen Widerstandskämpfer erwarteten an jenem schicksalhaften Wahlsonntag voll fieberhafter Ungeduld eine Ladung Eurobonds, die durch die Meerenge nach Athen geschmuggelt werden sollte. Gefahr dräute von der Nachbarinsel Navarone, wo deutsche Ingenieure die radargesteuerte Kanone installiert hatten, die jede Ersatzwährung umgehend versenkte. Die Kanone von Navarone war ein verbessertes Modell der «dicken Bertha», von ihren Feinden aus einer Mischung von Angst und Respekt die «dicke Angela» genannt. Die Griechen hatten gegen diese Geheimwaffe der Deutschen gestreikt ? erfolglos. Pech, Gewinn und Nieviel blickten sich erneut an, dieses Mal nicht skeptisch, sondern entschlossen: Dem Bösen musste Einhalt geboten werden, selbst unter Einsatz aller Aktiven.
Athen war in hellem Aufruhr. Die Griechen führten eine neue olympische Marathon-Disziplin durch, den «Bank-Run». Die sportliche Herausforderung lag darin, täglich 500 Millionen Euro von der Bank abzuheben und auf Eselskarren und Lasttieren wegzuschaffen. Sieger gab es keine, und zahlreiche Griechen streikten gegen diesen Sport.
Gregory Pech, Anthony Gewinn und David Nieviel nutzten die allgemeine Verwirrung des griechischen Wahlsonntags, um unentdeckt voranzukommen. Zudem trugen sie zur Tarnung Uniformen der Armasuisse, die zu Mindestlöhnen in Mazedo-nien hergestellt worden waren. Sie schlichen sich geräuschlos durch die Hedgefonds, vorbei an ausgebrannten Finanzinstituten, und waren Angriffen von Spekulanten ausgewichen. Einmal gerieten sie mit griechischen Streikbrechern aneinander, die sie mit aller Gewalt von der Arbeit abhalten wollten.
Das grösste Hindernis lag noch vor ihnen: Sie hatten den Berg zu erklimmen, an dessen Spitze die Kanone stand; ein Berg, der völlig aus griechischen Schuldverschreibungen bestand. Nieviel stürzte um ein Haar ab, als er seinen Fuss unglücklich auf eine Aktie der Credit Suisse setzte, die prompt einbrach und wie ein Stein in die Tiefe fiel. «Da hat nicht viel gefehlt», pfiff Nieviel durch die Zähne. Mit einem letzten schweisstreibenden Klimmzug zogen sie sich endlich zum Geschützstand hoch, wo ein gezielter Schuldenschnitt den Wachtposten ausser Gefecht setzte.
Die «dicke Angela» übertraf selbst ihre wildesten Erwartungen. Aus nächster Nähe wirkte sie doch einiges grösser als im Fernsehen, und ihre laute Röhre war bereit, Euros auszuspucken, nachzudrucken und weiter zu schiessen. «Schnell jetzt», sagte Pech, «wenn man uns hier erwischt, schickt man uns über den Jordan.» Gewinn verstand zwar nicht, was die Eile mit dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank zu tun hatte, brachte aber umgehend ein Sprengpaket an der Kanone an. Dass er in der Eile ein Sparpaket anbrachte, hätte sich fatal auswirken können, wenn Nieviel ihn nicht auf seinen Irrtum hingewiesen hätte. In der Meerenge erschien bereits der Transporter, der die Eurobonds brachte, und an den Stränden unten rotteten sich streikende Griechen zusammen, die teilweise für die Eurobonds, teilweise dagegen streikten; einige streikten für den Drachme, andere streikten gegen jene, die für den Drachme streikten.
Auf dem Gipfel waren unsere Helden drauf und dran, die Lunte mit einer abgewerteten CS-Aktie anzuzünden, als eine deutsche Stimme Einhalt gebot: Oswald Übel. Er war mit toxischen Ramschpapieren der UBS bewaffnet, die er jederzeit auf den Markt werfen konnte. «Griechenland muss am Euro festhalten, sonst zerfällt die EU!», hallte seine tiefe Stimme durch die Höhle. «Das ist Übel», stellte Gewinn fest. Gegen einen solchen Deutschen würde selbst das Verhandlungsgeschick einer Eveline Widmer-Schlumpf nichts ausrichten. Sie schreckten auf, als plötzlich ein weiterer Mann sie mit einem Revolving Credit in Schach hielt. An seiner fatalistischen Haltung erkannten sie ihn: Es war kein anderer als Philipp Hinterhalt, Ex-Chef der Nationalbank. Und was sie zuerst für seinen Schatten hielten, war tatsächlich seine Frau. «Das ist zu viel!», sagte Nieviel. «Sie haben wirklich Pech», lächelte Hinterhalt. Pech nickte zustimmend, und Hinterhalt setzte ihnen auseinander, was er mit ihnen vorhatte: «Der Kurs steht gerade sehr gut! Bei Blackwater werde ich Sie drei eintauschen und dafür vier Idioten zurückwechseln. Ich werde einen hübschen Gewinn einstreichen!»
Gewinn wusste nicht, womit er eingestrichen werden sollte, und er würde auch nicht darauf warten. Beherzt griff er nach dem Einzigen, was sie aus dieser verfahrenen Situation retten könnte: einem Rettungsschirm. «Bailout! Bailout!», rief er seinen Kameraden zu, und mit dem Mut eines Kleinunternehmens sprangen sie gemeinsam in die Tiefe und schwebten am EU-Rettungsschirm zu Boden.
Die beiden Ex-Bankenchefs reagierten auf diese Veränderung des Marktes zu spät. «Wir sind mit unseren Aktiva davongekommen, viel mehr kann man nicht erwarten», fand Nieviel. «Doch gewonnen haben wir nicht», bilanzierte Gewinn unzufrieden. «Aber wir tragen nicht die Schuld an dieser Nettoverschuldung», fand Pech. Sie konnten nicht wissen, dass hinter ihnen der Berg aus griechischen Schuldverschreibungen wankte, um dann endlich wie ein gewaltiges Erb-Firmenkonstrukt in sich zusammenzufallen. Schöner wäre es nur noch gewesen, wenn Gerry Hofstetter es beleuchtet hätte. An ihrem Rettungsschirm vollbrachten sie eine Punktlandung auf einer immer kleiner werdenden Kostenbasis. Gerettet waren sie jedoch keinesfalls. Denn durch die Neuwahlen bröckelte unter ihren Füssen der günstige griechische Boden, als die Inselgruppe sich knirschend vom europäischen Kontinent löste und in einzelnen Immobilien wegdriftete, bald nur noch eine vage Erinnerung wie ein Versprechen auf eine Dividende. * ENDE *
Roland Schäfli
(mr/Nebelspalter)

Aktuelle Mai-Ausgabe
Nebelspalter Nr. 5/2013 ist ab dem 3. Mai am Zeitschriften-Kiosk, im Abo oder als E-Paper-Download erhätlich. Zum Inhalt.
Nächste Ausgabe
Nebelspalter Nr. 6/2013
|
Der nächste ‹Nebelspalter› erscheint am Freitag, 7. Juni unter anderem ohne diesen legendären Leserwitz:
Nach einer Schönheits-Operation fragt der Arzt die Patientin: «Na, sind Sie zufrieden?» – «Nicht ganz, Herr Doktor, ich hätte gerne etwas grössere Augen», antwortet die Frau. «Kein Problem», antwortet der Doktor und wendet sich an die Assistentin: «Geben Sie der Dame bitte die Rechnung.» |
![]() |
- JasonBond aus Strengelbach 4056
EU Vize Präsident Schäuble verbietet Abstimmung in Zypern Die Abstimmung dürfe erst stattfinden, wenn das Resultat Merkel's ... Di, 19.03.13 12:58 - Vitalis aus Hallau 24
WILDER WESTEN heisst Cowboys willkommen! Di, 12.03.13 10:35 - JasonBond aus Strengelbach 4056
Der Vasillant ...weiterhin verzichtet Vasella auf eine Anstellung in der Schweiz und ... Mi, 20.02.13 15:46 - mariesuisse aus Bern 200
Medikament der arme, arme Vasella, nun muss er beim Sozialamt anstehen, ... Di, 19.02.13 10:31 - keinschaf aus Henau 1519
eieiei... Ich korrigiere meine Aussage von vorhin... es gibt hier nicht nur ... Fr, 15.02.13 17:13 - JasonBond aus Strengelbach 4056
Ich bin dafür Berlusconi sollte Premierminister oder besser noch Cäsar werden und ... Fr, 15.02.13 17:04 - keinschaf aus Henau 1519
Zurück in die Vergangenheit ...mit HeinrichFrei! Langsam beginne ich auch SIE zu ... Di, 12.02.13 15:35 - HeinrichFrei aus Zürich 224
Neuer Papst: Zölibat aufheben und Feldprediger und Militärbischöfe aus Armeen abziehen? Es wird befürchtet, dass nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ... Di, 12.02.13 07:54
18:14
Sieht ganz danach aus19:09
Ungebrochen innovativ15:00
So geht offener Strafvollzug17:21
Erinnern Sie sich noch?: Liebeskummer und Botanik-Kenntnisse mit 1810:38
Endlich: Trendwende19:52
Bussen-Ärger: Soweit ist es schon gekommen19:46
Orban im Schafspelz19:42
Papst setzt auf sinnvolle Geschenke15:09
Die würdigen Erben des Henri Dunant15:00
Roste in Frieden- Letzte Meldungen
- Polydesigner/in 3D
www.schild.ch Als eines der führenden Modehäuser der Schweiz mit 34 Standorten und 17 Markenshops... Weiter - Herausforderung für AtelierleiterIn Werbetechnik
Zur Verstärkung unserer Abteilung Schriftenmalerei/Grafik suchen wir eine(n) topmotivierte(n) und... Weiter - Anlagenführer im Tampondruck
Unsere Mitarbeitenden tragen durch ihre Kompetenz, ihre Leidenschaft und ihr Engagement massgeblich... Weiter - Polygraf mit Stellvertreterfunktion
Druckerei Zentralschweiz Aufgabe Äusserst vielseitiges Aufgabengebiet, sowohl technisch, wie auch... Weiter - Mitarbeiter/in Druckvorstufe / Siebdruck 100%
Ihr Profil: - Ausbildung als Siebdrucker/in - gute Grafik-Kenntnisse (Adobe Photoshop, Illustrator,... Weiter - Polygraf (m/w)
Wir sind ein dynamisches Handels- und Produktionsunternehmen im Bürobedarfsbereich sowie in der... Weiter - Senior Industriedesigner und/oder Techniker/ Ingenieur (w/m)
Für unser Design Team suchen wir ab sofort, spätestens aber per 1. Juli 2013 einen proaktiven,... Weiter - Drucktechnologe Bogenoffset, 100%
Für diese zu vergebenden Positionen bringen Sie eine Ausbildung als Drucktechnologe im... Weiter - Grafiker/in, Graphic Designer/in
Aufgabenbereich: Als Grafiker/in leiten Sie anspruchsvolle Projekte und realisieren Arbeiten in den... Weiter - AssistentIn Visual Manager 100%
Assistent/in Non Food (100%) Dekoration An mehr als 65 Standorten in der gesamten Schweiz sorgen... Weiter - Über 20'000 weitere freie Stellen aus allen Berufsgruppen und Fachbereichen.

Internetpräsenz aufbauen?
www.spezialisten.eu www.klimmzug.ch www.dividende.at www.revolving.com www.wahlsonntags.eu www.transporter.ch www.hedgefonds.at www.selbstbestimmung.com www.praesidenten.eu www.sprengpaket.ch www.schuldverschreibungen.at
Registrieren Sie jetzt komfortabel attraktive Domainnamen!

10:35
Das Klima «sieht» so aus. Vielleicht. (Teil 2)10:26
Fortuna plant ohne Norbert Meier10:23
Das Klima «sieht» so aus. Vielleicht. (Teil 1)10:19
LeAnn Rimes: Vergebung fürs Fremdgehen10:13
Schweiz erwacht bei winterlichen Temperaturen09:44
Bankia: Verdacht auf verbotene Leerverkäufe09:41
George Michael: Es war kein Suizidversuch09:41
Schweres Erdbeben erschüttert Russland09:40
Tokioter Börse bleibt instabil09:31
Karl's Kühne Gassenschau: «Fabrikk»- Letzte Meldungen
- Die Boxerfilm Retrospektive. Heute: Rocky 1 (1976/engl)
- 100 Fragen: Wie bekomme ich wasserfesten Filzstift vom Gesicht?
- Der Bob Dylan
- Duke Ellington - Der Jazz Vater
- Das Auto ABC: M wie Monteverdi Car Collection
- Disco Demolition auf Piratenradio.ch
- Die Duschvorhang Woche. Heute: Peace
- Letzte Meldungen
- Bankia: Verdacht auf verbotene Leerverkäufe
- Tokioter Börse bleibt instabil
- Apple droht Niederlage im Verfahren um E-Books
- Japans Aktienmärkte verlieren weiter an Boden
- Chinas Premier Li Keqiang zu Besuch in der Schweiz
- Kein Hackerangriff durch comparis.ch
- Kein Baustopp für Hälfte der geplanten Zweitwohnungen
- Weitere Wirtschaftsmeldungen
- Samsung verkauft Galaxy S4 binnen weniger Wochen zehn Millionen Mal
- Hightech-Gewehr hat «unglaubliche Zielgenauigkeit»
- Wird Apple in iOS7 gleich Vimeo- und Flickr integrieren?
- egadgets.ch verlost 3 FRANKENWEENIE-DVDs
- Ungebrochen innovativ
- Panelgigant AUO produziert weniger iPad-Displays
- Leap Motion zeigt Gestensteuerung für Windows
- Letzte Meldungen
- Solar Impulse stellt neuen Streckenrekord auf
- Solar Impulse zu zweiter US-Etappe gestartet
- Solarboot bricht eigenen Rekord
- Telekomkonzerne rufen zum Stromsparen auf
- Markt für nachhaltige Anlagen legt um 15 Prozent zu
- Sonnenenergie-Forscher entdecken Quantenmechanik
- «Drop Air» integriert effektive Pflanze in Luftfilter
- Letzte Meldungen
- Fitness-Instruktor/in mit eidg. Fachausweis
- Liebe am Geschmack! Sensorik von Speis und Trank
- Deutsch am Samstag Niveau A2 (1/2)
- Zu den drei Jungfrauen wallfahren
- Altes Handwerk: Flechten mit Weiden
- Heilpflanzen am Wegrand
- Typengerechtes Schminken
- Malen mit Acrylfarben - Workshop
- Einstieg in den Sprachunterricht
- Partnermassage Basis
- Weitere Seminare












