Die Bürde meiner Intelligenz
publiziert: Donnerstag, 31. Mai 2012 / 19:17 Uhr
 
 

In der Schweiz ist es eher unüblich, von seinem IQ zu erzählen. Ich möchte dieses Tabu gerne brechen: Mein mathematischer IQ beträgt 106. Ausserdem habe ich einen Sprach-IQ von 104. Das bedeutet, dass ich sowohl kognitiv als auch sprachlich überdurchschnittlich begabt bin.

In der Schweiz ist es eher unüblich, von seinem IQ zu erzählen. Ich möchte dieses Tabu gerne brechen: Mein mathematischer IQ beträgt 106. Ausserdem habe ich einen Sprach-IQ von 104. Das bedeutet, dass ich sowohl kognitiv als auch sprachlich überdurchschnittlich begabt bin.

Was genau ist der IQ? Nun, das ist eine sehr komplizierte Frage. Vereinfacht lässt es sich so ausdrücken: Alle Menschen unter einem IQ von 100 gelten als dumm. Menschen wie ich, die einen bewundernswerten IQ aufweisen, sind Physiker, Dirigenten oder Mediziner. Wenn man einen IQ von genau 100 besitzt, wird man in der Regel Schalterbeamte oder kaufmännischer Angestellter.

Viele Menschen sind neidisch auf uns Hochbegabte. Das hat natürlich seinen Grund. Statistiken beweisen, dass wir etwa 30 Prozent mehr verdienen als die Blöden und in der Regel die hübscheren Frauen heiraten. Auch ist unsere Lebenserwartung höher, da wir clever genug sind, kein Abwaschmittel zu trinken oder Eisennägel zu kauen.Es ist seltsam. Mittlerweile ruiniert man nicht mehr seine Karriere, wenn man sich outet, homosexuell zu sein. Die einstigen Geheimnisse, wie Religionszugehörigkeit, Vermögen oder Strafdelikte, gelten als Merkmale unter vielen. Nur bei der Intelligenz, bzw. dem messbaren Intelligenznachweis, wirken viele Menschen gehemmt. Wenn ich von meiner überdurchschnittlichen Begabung rede, füge ich immer noch hinzu, dass ich auch nicht alle mathematischen Rätsel knacken kann. Und doch schauen mich die Leute immer ganz anders an, sobald sie mein Denkvermögen kennen: IQ 106 bzw. IQ 104.

Ich kann mich noch genau an das Datum erinnern, als ich zum ersten Mal meinen hohen Intelligenzquotienten erfahren habe. Ich wollte irgendwann einmal im März mit meiner Frau kuscheln. Leider wollte sie nicht. Gekränkt ging ich in mein Arbeitszimmer und dachte nach, was ich jetzt Gescheites mit meiner Schaffenskraft machen könnte. Da kam mir der Intelligenz-Test in den Sinn, den die Zeitschrift «Brigitte» gratis anbot. Gleich setzte ich mich hin und löste die Aufgaben. Sie schienen mir sehr leicht. Schon da wusste ich: Mein IQ wird ziemlich hoch ausfallen! Minuten später zeigte der Computer meine Testwerte an: Gratulation! Sie haben einen IQ von 106, und Sie gehören damit zu den oberen 40% der Menschheit!

Diesen Augenblick werde ich nie in meinem Leben vergessen. Endlich hatte ich die Erklärung, warum ich immer so viele Schwierigkeiten in der Schule hatte. Hochintelligente Kinder hadern sehr häufig am starren Schulsystem. In meinem Fall waren das die Fächer Mathematik, Französisch, Biologie, Chemie und Physik. Wenn ich das heute schreibe, möchte ich damit auch bezwecken, dass sich andere Hochbegabte in mir wiedersehen und vielleicht Tröstung erfahren. Man kann mich erreichen unter hochintelligent@gmail.com.

(Beni Frenkel/Nebelspalter)

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