Editorial
Der kleine Unterschied machts
publiziert: Donnerstag, 2. Mrz 2017 / 12:00 Uhr

Seit dem letzten Abstimmungssonntag ist die «brutal abgewatschte Elite» das grosse Feuilleton-Thema. Die Rede ist vom Hass aufs Establishment, welches...

... endgültig das Vertrauen des Volkes verspielt habe. Ätsch, ihr da oben! Doch bei aller Tagesaktualität kommt einem die Rhetorik enorm bekannt vor: Schäfchenparteien machen uns schon seit vielen Jahren weis, dass elitäre Hirten die wahren Sündenböcke für alles sind, was die eigene Herde gerade zum Blöken findet.

Auf der anderen Seite will die links unterwanderte Historikergilde uns ja dauernd einreden, dass die antielitäre Denkfigur vom Gründungsmotiv der Schweiz einen hässlichen Schönheitsfehler hat: Der Aufstand Tells gegen Gessler, der vom Rütli ausgehende Kampf «einfacher, fromer lütt» gegen verhasste, adlige Habsburger - dieser Mythos sei selbst von einer schlauen, nicht uneigennützigen Elite sorgsam konstruiert, verbreitet und gepflegt worden.

Elitenbildung gehört zum Menschsein wie die Brioche zur Foie gras - es geht einfach nicht ohne. Dass jene Revoluzzer, die im letzten Jahrhundert die Welt besonders effizient mit Gleichheit und Freiheit heimsuchten, jeweils auch besonders effizient neue, privilegierte Machtzirkel bildeten: Wen wunderts?

Dabei ist das, was unsere Nation bisher im Innern zusammengehalten hat, nicht die einfältig-bodenständige Homogenität, sondern gerade der Reichtum kultureller, sprachlicher, religiöser (und so weiter) Gegensätze, die allerding so durchs Land verlaufen, dass sie sich nicht multiplizieren, sondern gegenseitig egalisieren.

Soeben hat das Bundesamt für Statistik ja ein neues Gegensatzpaar entdeckt: Städte haben zunehmend Frauenüberschuss, ländliche Regionen werden von Männern dominiert. Da zur Reproduktion auf absehbare Zeit beide Geschlechter nötig sein dürften, wird also genau der kleine Unterschied die Schweiz auch weiterhin zusammenhalten.

(Marco Ratschiller/Nebelspalter)

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