Joachim Gauck
Der Herrgott muss ein Deutscher sein
publiziert: Donnerstag, 5. Apr 2012 / 08:36 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 5. Apr 2012 / 09:26 Uhr
 
 

Nach quälenden Irrungen, welche die unsagbaren Schmähnamen «Köhler» und «Wulff» trugen, stieg endlich, endlich der ersehnte Messias aus den ostdeutschen Himmeln, schritt nach Berlin und erfüllte das tiefe germanische Verlangen nach Sinnhaftig- und Bedeutsamkeit.

Welch eine monumentale Rede, die Joachim Gauck am 23. März im Bundestag ablieferte! Im Anschluss daran war allen Deutschen sofort klar, dass die Auslegungshoheit des Lebens in seiner Gesamtheit ab sofort wieder zu Recht beim Bundespräsidenten liegt. Und nicht mehr bei beleidigten Leberwürsten wie dem vorletzten Staatsoberhaupt oder einem Hypothekenexperten wie dem letzten, der bei Gaucks Rede unerklärlicherweise schon wieder im Bundestag hockte. In einer speziell für ihn eingerichteten Reihe auf demjenigen Stuhl, den man ihm kürzlich erst vors Bellevue gestellt hatte. Verquere Type, dieser Niedersachse Wulff; wäre er zur Hinrichtung vorgesehen, hätte er vermutlich testamentarisch verfügt, dass das dafür verwendete elektrische Sitzmöbel an seine Erben zu überstellen sei.

Wie auch immer, wenden wir uns Joachim Gauck zu, Deutschland im Übermass Balsam verabreichendem Seelsorger, der am 23. März mit grosser rhetorischer Kelle anrichtete und in geübt pastoralem Gestus die Deutschen am Portepee packte: «Mut, Brüder und Schwestern, Mut! Selbst wenn ihr Moslems seid und kein Deutsch versteht.» Die Muslime flocht der Redner übrigens deshalb ein, weil er Wulffs Cockerspaniel-Blick aus dem Parkett sonst nicht länger ertragen hätte.

Zum Inhalt des Referats: Konkret los gings in seiner Rede, die einem Parforceritt - the lone-star Stasi-Jäger rides again - durch deutsche Nachkriegswelten glich, mit dem Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre, deren Kühlschränken besondere Erwähnung zuteil wurde. Man fragte sich unwillkürlich, wieso ausgerechnet Kühlschränke? War dies eventuell ein Einrichtungsgegenstand, den sich Gauck zu DDR-Zeiten immer zu Weihnachten gewünscht hatte, aber nie bekam? Weil die Ostzonenwirtschaftsbonzen vergessen hatten, solche coolen Geräte im 5-Jahresplan vorzusehen? An den vom derzeitigen deutschen Bundespräsidenten thematisierten Frigidaires® merkte man eben doch, dass Bruder Joachim aus der SBZ stammt. Ein Prediger aus dem Westen, beispielsweise Boris Becker, hätte wahrscheinlich eher die Daimler-Benz AG erwähnt. Es folgte im staatsbürgerkundlichen Oberstufenreferat Konrad Adenauer, der dann, um die im Plenum sitzenden SPD-Wahlhelfer Siegmar Gabriel et al. nicht zu düpieren, durch Erwähnung der 68er-Generation etwas zurückgestutzt wurde usw. usw.

Und dann kam die Wende; also nicht «die» Wende, sondern die semantische Gauck-Wende ins Sozialministerium. Wahrscheinlich hatte man ihm seitens der SPD nahegelegt - die Merkel kann das nicht gewesen sein, die redet mit Gauck nur das Notwendigste - «Hömma, Gauck, fasel nicht ewig von deiner öden Freiheit! Erzähl denen was von Chancengleichheit. Dir würden die ja sogar glauben, dass im Himmel Jahrmarkt ist.»

Jan Peters

(Nebelspalter)

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