Christoph Mörgeli: Die ganze Wahrheit
publiziert: Samstag, 6. Okt 2012 / 11:15 Uhr
 
 

Viel ist gemunkelt, geraunt und geschrieben worden über die Gründe zum Abgang von Christoph Mörgeli an der Uni Zürich. Kaum jemand hat noch die Übersicht, wer eigentlich wem gekündigt hat. Weshalb der «Nebelspalter» die Fakten auf die Reihe bringt.

Der Konservator des Medizinhistorischen Museums, Christoph Mörgeli, zog für einmal die Aufmerksamkeit der Nation nicht als SVP-Nationalrat auf sich, der bei Gegnern Leichen im Keller vermutet, sondern als Amtsleiter des Medizinhistorischen Museums der Uni Zürich, als solcher er tatsächlich Leichen im Keller hat. Seine Kritiker warfen ihm mangelhafte Aufbewahrung menschlicher Präparate vor. Beunruhigt durch die Berichte über den Zustand des Museums stattete die Universitätsleitung dem Konservator Christoph Mörgeli eine unangemeldete Visite ab. Und fand im Untergeschoss mehr als ihr lieb war: Zwischen den Ausstellungsstücken entdeckte man den echten Christoph Mörgeli, der dort seit August 2008 festgehalten wurde. Tatsächlich nahm zum Zeitpunkt von Mörgelis viel beachtetem Autounfall dessen Klon seinen Platz ein. Man erinnert sich, wie er seinerzeit auf wundersame Weise überraschend schnell genesen war. In Tat und Wahrheit wurde der Polit-Professor als Teil seiner eigenen Exhibition festgehalten, aus der ihn einfach darum niemand befreite, weil seit Jahren niemand die Ausstellung besucht hat. Seine Vorlesung wurde ebenso wenig vermisst wie Mörgeli selbst, da sie aus Mangel an Studenten noch nie stattgefunden hat. Studierende äusserten, es genüge hinreichend, den Professor allabendlich in «Arena» oder auf «Tele Züri» zu sehen.

Der entfesselte Mörgeli, der zuallererst wissen wollte, wie die Minarett-Abstimmung ausgegangen sei, erklärte seinen Befreiern, wie es zum ungeheuerlichen Rollentausch kommen konnte: Als Konservator hatte er viel Zeit mit den menschlichen Überresten verbracht; er studierte jeweils seine flammenden Reden vor den Skeletten ein, die er als ideale Zuhörer einschätzte, und warf auch die Knochen, um Abstimmungen vorauszusagen (was gemäss Mörgeli wesentlich genauer sei als die Longchamp-Vorhersage des SRF). Bekanntlich ist der Totentanz das Spezialgebiet des Professors. Meist tanzte er Foxtrott mit den Gebeinen, je nach Stimmungslage auch Walzer. Wie dem auch sei, zu jener Zeit wurde Mörgeli klar, dass er für seine vielfältigen Tätigkeiten - die Milizfunktion als Nationalrat, Kolumnenschreiber der "Weltwoche", Programmleiter der SVP und eben als Staatsangestellter der Uni - eigentlich vier Arme haben müsste. Nun hatte er zwar in diversen Einmachgläsern einzelne Arme. Doch der Professor kam zum Schluss, dass er sich einen ganzen Doppelgänger schaffen müsste, um all die Doppelmandate zu bewältigen.
Mit fatalen Folgen: Sein Alter Ego nahm nicht nur seine Rolle als Konservator ein, sondern betrieb auch Mörgelis konservative Politik weiter, jedoch mit einer nie gekannten Hartnäckigkeit, die selbst SVP-Befürworter überraschte. So lassen sich Mörgelis oftmals kamikazehaft anmutenden Polit-Attacken rückwirkend als Aktionen des Doppelgängers erklären, der die Wirkung seiner Aussagen nicht genügend abschätzen konnte. Selbst die Auftritte in Satire-Sendungen, hinter denen man eigentlich Parodisten vermutete, gingen auf das Konto des Klons.

Mörgeli strebt nun einen Prozess gegen sein Double an. Er sei von ihm weggemobbt worden. Sein Anwalt Valentin Landmann wird die Gerichte davon überzeugen wollen, dass die Uni dem echten Mörgeli faktisch gar nicht kündigen konnte, da lediglich der Klon eine ungenügende Leistung erbrachte. Dass Mörgeli den Termin zum Mitarbeitergespräch nicht wahrnahm, wie ihm vorgeworfen wurde, sei auf ein reines Abspracheproblem zwischen ihm und dem Klon zurückzuführen: Beide hatten schliesslich geglaubt, der jeweils andere nehme den Termin wahr.

Mörgeli droht weitere Ungemach. Denn in der Parteispitze ist es ein offenes Geheimnis, dass man statt des gemässigteren Originals doch lieber den viel originelleren Klon zurückhätte. War der Klon der bessere Mörgeli? Auch "Weltwoche"-Leser hielten die Kolumnen des Klons für pointierter. Die zutiefst bestürzte Universitätsleitung hingegen muss zur Kenntnis nehmen, dass sie ein nicht ausgebildetes Double mit einem Jahresgehalt von 100 000 Franken entschädigte, ohne dass die nicht vorhandene Sachkenntnis je jemandem aufgefallen wäre.  

(Roland Schäfli/Nebelspalter)

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