Energieriese Alpiq
Aus H₂O mach CHF
publiziert: Donnerstag, 24. Mrz 2016 / 09:22 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 24. Mrz 2016 / 10:58 Uhr

Bei der Alpiq staut sich das Geld nicht mehr. Nun will der Stromhersteller aus Wasser Flüssiges machen und Anteile seiner Stauseen verkaufen.

Alpiq hat bekanntlich einen Mega-Abschreiber gemacht. Nicht zu vergleichen mit dem Abschreiber, den Sie damals in der 2. Klasse gemacht haben und erst noch damit durchkamen. Nein, ein viel grösserer Abschreiber. Man muss dazu wissen, dass momentan hoher Druck auf die Wasserkraft ausgeübt wird.

Sicher, sicher - genau so entsteht Strom, wie Sie damals in der 2. Klasse gelernt haben. Gemeint ist, dass Strom aus dem Ausland viel billiger ist als Schweizer Strom. Zahlreiche Schweizer fahren schon heute nach Konstanz, um sich mit billigen Batterien einzudecken. Die Prüfungsfrage ist: Wird die Schweiz nun ein Stromland zweiter Klasse?

Wasser wird immer wichtiger. Zum Beispiel als Lieferant für Schneekanonen. Bauern beziehen subventioniertes Wasser zur Tränkung der Felder. Und an der Goldküste wird das flüssige Gold benutzt, um darauf Wasserski zu fahren. Die Lex Koller, Verbot des Erwerbs von Grundstücken durch Ausländer, wird bei der Verflüssigung der Alpiq clever versenkt. Denn auf einer Wasserfläche kann man nicht bauen, nur eine Yacht draufsetzen.

Tatsächlich scheint die Privatisierung aus vielerlei Gründen erstrebenswert: 1. Man hat immer fliessend Wasser; zum Geschirrspülen einfach kurz die Schleuse A öffnen. 2. Die Thurgauer Mafia müsste mit entlassenen Personen nicht mehr öffentliche Gewässer belasten. 3. Infrastruktur für den Badeplausch besteht bereits: nur aufpassen, den «Köpfler» von der richtigen Seite der Staumauer zu machen.

Die Absicht der Alpiq hat durch ein physika­lisches Gesetz freilich sogleich Gegendruck erzeugt. Doris Leuthard will die kleinen Kraft­werke unterstützen, verspricht aber, auch bei Wechselstrom immer nur Gleichstrom einzuschalten. Wasserkraftwerken wird eine Prämie von 1 Rappen pro Kilowattstunde in Aussicht gestellt - also dieselbe Erhöhung pro Arbeitsstunde wie für Putzfrauen von SVP-National­räten.

Die Schweiz soll demnach Geldströme in Stauseen fliessen lassen, damit wir nicht vom Ausland abhängig werden. Die Prüfungsfrage für nächste Woche ist: Werden dann nicht die Wasserkraftwerke von unserem Geld abhängig?

(Roland Schäfli/Nebelspalter)

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